Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 7-8 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2554541-2554844-2554849--07006-2563009- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
110 ihre Wunden zu verbinden. Ich sprach mit einem älteren Juden über das alles, was ich gesehn hatte. „O", antwortete der Mann, „ich bewundere jene Brüder, aber ich selbst kann keine Kranken sehn, denn ich werde dadurch zu sehr an den Tod erinnert." Das glaube ich Ihnen, erklärte ich darauf, denn für den Juden sind die Schrecken des Todes noch nicht überwunden. Der gläubige Christ blickt dagegen ganz getrost in's dunkle Grab hinein: Christus hat darin gelegen und aus demselben die Auferstehung wiedergebracht. Ich erzählte ihm hierauf aus meinem eigenen Leben, wie ich wiederholt dem Tode so ernst in's Angesicht hätte blicken müssen und doch da überall den größten Trost im Herzen gehabt hätte. „Ja", sagte nun der Andere, „Sie haben in Ihrem Glauben so etwas Freudiges, das ist mir sogleich ausgefallen — aber ich kann zu einerderartigen Freudigkeit nicht gelangen!" Das Gespräch hatte andere Juden herbeigelockt, sie standen dicht um meinen Tisch herum; da wiederholte ich noch einmal meine früheren Worte, und so wurde ihnen Allen das Zeugniß vom gestorbenen und auferstandenen Sünder-Heilande, der Menschenherzen für Zeit und Ewigkeit selig macht, weil er ihre ganze Krankheit heilt, gepredigt. 9. Ich strebe nach Gerechtigkeit. Ein jüdischer Lehrer besuchte uns auf unserm Zimmer. Mein Gefährte hatte ihm das Zeugniß des A. T. über Christum vorgchalten. Der Lehrer gab zu, daß im A. T. so Manches für Christum spreche, aber man könne das alles auch ideal deuten und brauche es nicht auf Jesu Person zu bezieh«. Er meine, die Hauptsache sei, daß man nach Gerechtigkeit strebe, und das thue er. Ich bat ihn aber, mir zu sagen, was er denn eigentlich unter Gerechtigkeit verstünde? und fand schließlich auch seine Zustimmung, daß uns über dieselbe die deutlichste Erklärung in den 10 Geboten gegeben würde, denn allein der Zustand des Menschen, welcher jenen Geboten entspricht, könne im Ernst als Gerechtigkeit des Menschen angesehn werden. Aber darauf konnte auch das Bekenntniß nicht zurückgehalten werden, daß es mit unsrer eigenen Gerechtigkeit, wenn sie an diesem einzig richtigen Maße gemessen werde, sehr übel stehe. Gerechtigkeit, so hatte der Lehrer selbst erklärt, bedürften wir und müßten durchaus danach streben, sie zu erlangen; die 10 Gebote waren anerkannt — aber nun tönte es aus und nach ihnen allen: