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Dibre Emeth · 1878-01-01 · 7-8 (1878) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
7-8 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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108 6. Line betende Jüdin. Um die Abendzeit saß eine starke Jüdin neben uns an der Wirthstafel. Ihr Mann und mehrere seiner Glaubensgenossen führten ein lebhaftes Gespräch mit einander. Die Frau, welche offenbar zu den Frommen ihres Volks gehören wollte, zog ihr Gebetbuch heraus und las das Abendgebet, mit dem Körper hierbei unaufhörlich hin und her wackelnd; denn das gehört bekanntlich zur Vollständigkeit der jüdischen Andacht. Aber das Gespräch ihrer Umgebung interessirte sie zu gleicher Zeit in dem Maße, daß sie fort und fort ihre Bemerkungen hineinwars, und weder sie selbst noch der Kreis der Juden rings um sie fand darin etwas Besonderes. Murmelnde Gebetsworte, Lachen, Necken und Schelten waren sichtlich nur verschiedene Theile des einen Gottesdienstes — sie sagte auf solche Art das ganze Gebetspensum her und war hierbei so recht herzlich mit sich selbst zufrieden — statt des Amens hörte ich zuletzt einen kräftigen Fluch auf ihren Knaben. 7. Kann ein Jude aus Ueberzeugung Khrist werden? Ein Jude erklärte mir, daß unmöglich Jemand aus anderen, als aus unlauteren Gründen das Judenthum ausgeben könne. Ich erzählte ihm hierauf die Geschichte eines von mir getauften Soldaten, den in der Schlacht bei Sedan die Frage: „Was wird aus dir, wenn dich jetzt die Kugel trifft?" zum Nachdenken und zu Christo geführt hatte. Die Geschichte stimmte den Mann um; er bekannte, nun einräumen zu müssen, daß ein Jude aus Ueberzeugung Christ werden könne; aber er behauptete jetzt dafür, daß diese Ueberzeugung selbst eine falsche sei. So bat ich nun meinen Freund, mir doch das Räthsel zu lösen, woher es gekommen sei, daß ganze Heidenvölker bis zu dem heutigen Tage ihre Religion verlassen hätten, als ihnen die Botschaft der jüdischen Apostel Jesu Christi gebracht wurde? Die Juden und die übrigen Völker seien ja sonst keineswegs so befreundet miteinander gewesen, daß etwa die Letzteren gern angenommen hätten, was ihnen von Jenen her überbracht worden sei. Und doch mit einem Male diese völlige Umwandlung in ihrem Verhältnisse zu den Juden, wo ihnen solche die Botschaft von Christo bringen. Das Räthsel löse sich nur aus eine Weise: Im Prediger Salomonis stehe geschrieben: „Gott hat dem Menschen die Ewigkeit in das Herz gelegt", und eben

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