Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 7-8 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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105 Meister Israels machen wollen, dann hätte er ihn mit den glühendsten Farben gemalt. Statt dessen sehen wir, wie die 5 Bücher Moses auf Schritt und Tritt Verkehrtheiten, Schwachheiten und Sünden dieses Mannes auszeigen. Der Gesetzgeber erscheint uns überall als ein Mann, der durchaus noch nicht das wahre Ideal seines Volkes sein kann, er wird uns nur als ein schwaches Werkzeug in Gottes Hand vorgeführt, und nirgends wird dem Knechte eine Ehre gegeben, welche auch nur im Geringsten den Ruhm seines Herrn beeinträchtigte. Moses weist dort überall von sich selbst hinweg und über sich selbst hinaus auf einen viel Höheren, Reineren und Heiligeren. Ein solcher Moses ist für Fleisch und Blut unerfindbar." „Nun," antwortete der Jude, „das läßt sich hören!" Aber er wollte jetzt in Mose nur das Eine gelesen haben, daß Gott gütig sei und ausschließlich die Güte; diesen Gott der Güte werde er auch einzig und allein anerkennen. Da mußte denn dem Manne freilich, wie vorher die Existenz des Moses, so jetzt die Nichtexistenz seines eingebildeten Gottes nachgewiesen werden. Ich ließ ihn in die Tiefe der Leiden, der Schmerzen und Krankheiten,' denen wir Menschen zum Raube werden, hineinblicken, ich zeigte ihm die Nacht des Todes und stellte ihm sein eigenes zukünftiges Geschick vor die Augen, um ihn zu fragen, ob sich das alles wohl mit einem nur gütigen Gotte vertrage, und fand nun auch die Anerkennung, daß doch der Zorn Gottes nicht ein bloßes Mährlein sei. Aber mein Widersacher wollte nun wenigstens für seine Person nicht auch mit einem zürnenden Gotte zu thun haben, und er bestimmte diesen deshalb allein für die groben Verbrecher. Diese Flucht und Rettung gelang ihm jedoch nicht, er mußte es vielmehr noch mit anschauen, wie Gott einen Mann, welcher in der Zeit der Wüstenwanderung, trotz des Verbotes, am Sabbath ein wenig Holz aufgelesen hatte, durch die ganze Gemeinde steinigen ließ (4. Mose 15, 36) — und diese aufgehobenen Steine erschreckten ihn, er war nun in der That ganz verwirrt. Moses hatte ihm seine Existenz in diesem Augenblick ein wenig fühlbar gemacht — ich zeigte ihm daher nur noch das Lamm, welches auch seine Sünde getragen und die Zornesflammen des Vaters mit seinem Blute ausgelöscht hat, dann aber ging ich. Möchte er den Weg zu Mose und durch Mosen zu Jesu noch einmal finden lernen.