Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1878-01-01 · 7-8 (1878) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
7-8 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554844-2554849--07000-2563003
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

104 Verdienst und mit denen paradirte er, von denen wußte er so herzbeweglich und begeistert zu reden, die anderen machten ihm keine Noth! Lieber Leser, halt einmal stille und schaue in diesen Spiegel — siehst du etwa dein eigenes Bild? Jenem sicheren Sünder aber wurde das Wort vom Zorne Gottes entgegengerufen und ihm das fressende Feuer gezeigt, welches alles Unheilige verzehrt. Schweigend ging er von dannen. 3. Are Kernara ist Mes. Auf dem Marktplatze begegnete ich einem galizischen Juden, der lange Rock und die Stirnlocken kennzeichneten den Talmudisten. Der Goi wagte es, ihn über Religionssachen anzureden, aber nur finstere Blicke und abgebrochene, abweisende Worte waren der Dank dafür. Ich berief mich für meine ■ Worte auf die Autorität der heiligen Schrift und forderte, er solle diese gelten lassen. Aber nur ein höhnisches, heiseres Lachen erfolgte, und dabei stieß er die Worte aus: „Ach, was Bibel (Tenach)!" Aber die Gcmara (Talmud) ist wohl etwas? „Ja wohl, die Gemara ist Alles" — und er war verschwunden. 4. Kat's einen Woses gegeben? An der Thür des Kaffeehauses stehen drei Juden neben mir und halten still, da sie angeredet werden. Der Gewandteste unter ihnen nimmt den Kampf für die Uebrigen auf. Ich hatte ihn im Namen des Moses und der Propheten um Gehör gebeten, aber er suchte dem Schwerte in einfachster Weise die Spitze abzubrechen. „Woher kann man denn überhaupt wissen, daß es einen Moses gegeben hat, und daß die von ihm berichteten Worte auch wirklich von diesem Manne stammen?" „Nun," entgegnete ich, „Sie werden bei sich selbst ebensogut wie auch ich und andere unserer Mitmenschen die Erfahrung gemacht haben, daß wir Alle nach dem natürlichen Zuge und Triebe unseres Herzens uns stets in möglichst günstigem Lichte darzustellen bestrebt sind, daß wir von unserem Schlechten am Liebsten schweigen und dagegen von unseren Tugenden oder guten Thaten viel bereitwilliger erzählen. Hätte nun ein Anderer als Moses selbst in der Schrift sein Lebensbild ausgezeichnet und seine Geschichte berichtet, hätte ein Anderer ihn erfunden und einen solchen Phantasiemoscs zum Gesetzgeber und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.