Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 5-6 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Fuße, an welchem sic gehangen, verspürte Wiedmann einige Schwäche. Nur der Gnade Gottes war es zu danken, daß er diese Zeit überhaupt überstand, denn er war von Hause aus so schwächlich und in der Zeit vor der böhmischen Gefangenschaft so kränklich gewesen, daß sich Prof. Callenberg nur schwer entschlossen hatte, ihn diese Reise antretcn zu lassen. Am 21. Juli gegen 11 Uhr verkündigte ihnen der Syndikus den Entlassungsbcfehl. Der Inhalt desselben war folgender: „Aus den Jnquisitionsakten habe man ersehen, daß die beiden Arretirten zwar nichts Ketzerisches in's Land getragen haben, daß sie aber mit der Zeit, wenn man sie duldete, dem Lande einen Schaden zufügen möchten. Deshalb sollten sie aus dem Lande geschafft und unter sicherem Geleit auf einem Wagen bis an die Grenze gebracht werden; was an Gelde nach Abzug der Unkosten noch übrig bleibe, sollten sie zurückerhalten!" In der That ein köstlicher Bescheid, der die armen, unschuldigen Gefangenen für alle erlittene Ungerechtigkeit und Grausamkeit dadurch entschädigte, daß sie noch die Kosten des Verfahrens und ihres armseligen Lebens im Kerker bezahlen mußten. Die Missionare erbaten cs sich, zur Ersparung weiterer Kosten zu Fuße und statt von vier nur von zwei Männern begleitet abreisen zu dürfen. Der Syndikus genehmigte es, bekannte ihnen aber auch, daß nur die Verwendung des preußischen Königs das günstige Urtheil für sie herbeigeführt habe. Nachmittags erhielten die Missionare von ihrem gesammten Gelde 11 Gulden 42 Kreuzer zurück, eine Berechnung der Unkosten wurde beigelegt. Der Bürgermeister und der Stadtrichter bewirtheten die Beiden hernach in ihrer Wohnung. Und nun ging es an's Abschiednehmen. Sie besuchten noch einmal den Bürgermeister, um ihm für alle Wohlthat zu danken und für die Stadt vor ihm einen Segenswunsch auszusprechen. Am Abende erquickten sie auf ihre Kosten ihre bisherigen Mitgefangenen und redeten zu ihnen herzliche Worte, besonders aber zu dem Juden, dem sie auch den Traktat von der Kindschaft Abrahams und das Sendschreiben der Mission überreichten; jeder der Gefangenen erhielt überdem etwas von ihrer geringen Baarschaft. Noch einmal schliefen sie in der Nacht im Gefängniß. Am Morgen des