Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 5-6 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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99 22. Juli bat sie der Stockmeister unter Thränen um Vergebung; dasselbe that aber auch der Stadtrichter, der zu ihrer Entlassung gekommen war. Und nun schreibt Wiedmann: „Darauf gingen wir, in einem Sturm, aus diesem Ort der Gefangenschaft in unsere Freiheit. Eine Jüdin folgte uns nach, zu sehen, wie wir aus dieser Stadt kämen. Also ist der römischen Kirche offenbar geworden, man versuche evangelischerseits mit allem Ernst die Ungläubigen zu überzeugen, aber es steht auch zu fürchren, daß unsere Hinwegschaffung ein schwereres Gericht nach sich ziehe. Je größer Noth, je näher Gott!" Das Gericht kam 8 Jahre später in den Kriegen Friedrichs des Großen. Von den beiden Wachtleuten begleitet zogen die Missionare fröhlich ihre Straße bis zur Grenze bei Landeshut, wo sie am 25. Abends ankamen. Auch mitten in den römisch-katholischen Dörfern sangen sie ihre Loblieder, und ihre Begleiter hörten es gern. Freundlich verabschiedeten sie sich von denselben. Am 6. August langten sie bei Prof. Callenberg in Halle an. Die Frucht ihrer Arbeit blieb an der Stätte ihrer Gefangenschaft selbst nicht aus. Als die Preußen 1741 in Böhmen einrückten, fanden sie die den Missionaren abgenommenen Bücher noch in obrigkeitlicher Verwahrung. Da wurden die Soldaten denn auf ihre Weise zu Missionaren, denn sie streuten, wie St. Schultz berichtet, die Büchlein überall in jenen Gegenden unter den Juden aus, und Schultz durfte selbst in Teschen einen Proselyten kennen lernen, der durch eins dieser Büchlein, es war das Evangelium Lukas in jüdisch-deutscher Sprache, gewonnen worden war. Gar selig hat er sich solcher Frucht aus der Thräncnsaat seiner Vorgänger gefreut. Wiedmann und Manitius aber gingen sogleich nach ihrer Rückkehr wieder nach der bisher gewohnten Weise in ihr liebes Missionswerk. Nicht ein Wort, daß sie etwas für ihren Herrn gethan und gelitten, und daß sie, um ihre Brüder auf den Weg des Heils zu weisen, das Kreuz getragen, hören wir während aller späteren Tage je von ihren Lippen kommen — es war ihnen eben solches Alles selbstverständlich, lind so wollen wir auch nichts Weiteres über eine Sache hinzufügen, die von selbst zu den Herzen