Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 5-6 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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95 In derselben Zeit besuchte der Syndikus mit einer wohlhabenden Frau Bürgermeisterin und ihrer Jungfrau Tochter den Manitius. Die Jungfrau bat denselben, ihr die Ursache seiner Gefangenschaft mitzutheileu, und frug ihn, ob ihm nicht bange sei. Manitius antwortete ihr, daß er seine Ketten mit Freuden trage, weil er ja unschuldig sei, daß es ihm aber gar bange sei, seine Bibel nicht lesen zn dürfen. Auf die Frage, ob eins der vorliegenden katholischen Bücher nicht auch gut sei, bekannte Manitius, daß man das Gute sich doch erst aus denselben zusammenlesen müsse. Darauf bat ihn die Jungfrau, katholisch zn werden, und hatte noch allerlei Anliegen. Zuletzt frug sie sehr angelegentlich, ob er denn nicht heirathcn wolle? Manitius antwortete, daß im Gefängniß Zeit zu beten sei, und nicht Zeit, an's Heirathen zu denken. Man schien in der That, nachdem die Drohungen nichts ausgerichtct, durch zartere Bande den jungen Missionar zur katholischen Kirche hinüberziehen zu wollen. Beides gleich vergeblich! Wiedmann fand in dieser Zeit einmal Gelegenheit zu entfliehen. Der Stockmeister ging eines Nachts aus, um sich im Wirthshause zu belustigen; er ließ alle Schlüssel zurück und dieselben, unter denen Wiedmann auch den zu seiner Kette gehörigen erkannte, lagen vor den Augen desselben. Wie nahe lag hier die Versuchung! Wiedmann aber schreibt: „Ich wollte den Arrest nicht verletzen, viel weniger meinen Gefährten im Stich lassen und ihn in einen schlimmeren Stand setzen". Vor Pfingsten that ein starker Frost dem Getreide vielen Schaden, so daß dieses bedeutend aufschlug, und die Missionare daher ihre liebe Noth hatten, sich mit den 4 Kreuzern täglich zu sättigen. Des Sonnabends nur warf man ihnen ein Extrastück Brot vor. Juden und Jüdinnen aber, die von Beiden gehört hatten, kamen jetzt zuweilen aus großer Entfernung, und reichten ihnen des Oefteren in herzlichem Mitleid ihre Gaben. Die Missionare aber waren jedesmal froh, dafür denselben ihr Bestes bieten zu können. 13. Merlei Most. Die Ungewißheit ihrer Lage erschütterte nicht im Geringsten ihren Glauben. Da sie Gottes Wort nicht zu lesen bekommen konnten, brachten sie ihre Zeit hauptsächlich zu mit Gebet und Wiederholung dessen, was sie auswendig gelernt hatten. An die Thüre des Gefängnisses schrieben sie mit Kreide hebräische Stamm-