Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 5-6 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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94 der Stube des Stockmeisters, und der andere blieb wenigstens den Tag über außerhalb des Stockes; die Trennung war natürlich Beiden schmerzlich. Manitius legte jetzt die Bücher des Dechanten zur Seite, als man ihm das Lesen in denselben als Zeichen der Zuneigung zur katholischen Kirche auslegte, und nahm lieber die hebräische Bibel des Mitgefangenen Juden zur Hand. Die anderen Gefangenen drohten jedoch den Juden hierfür anzuzeigen, und so erklärte dieser, sie ihm nur nach Bewilligung der Obrigkeit leihen zu wollen; diese aber schlug das Gesuch des Manitius ab. Nur heimlich konnte derselbe sie von jetzt ab noch hier und da lesen. Der Stockmeister hatte die Gesinnung der beiden Missionare allmählig genugsam kennen gelernt, so daß er ihnen gegenüber sicher war, und sie wohl hätten zusammcnkommen können, aber sie wollten nichts ohne Erlaubniß thun. Ein Rathsherr, der es sich nicht nehmen ließ, die Gefangenen einmal' zu speisen und zu tränken, führte die beiden Freunde zusammen, so daß sie in seiner Gegenwart ein kurzes Gespräch mit einander haben konnten. Ein alter Jude aber, welcher den gefangenen Juden besuchte, versprach, seinen evangelischen Ortsgeistlichen von dem Schicksale der Missionare in Kenntniß setzen zu wollen, und hielt Wort. Ein vornehmer Herr ließ hierauf durch denselben Juden den Missionaren melden, er habe ihre Sache in die Hand genommen, und sie sollten unbesorgt sein. 12. Alach dem Akerhör. Die Missionare baten nach dem Verhör, wenigstens vom Stocke erledigt zu werden, ihre Bitte wurde aber rund abgeschlagen. Als jedoch ein Landdieb, welcher es verstanden hatte, sich von allen Banden frei zu machen, des Nachts über in den Stock gelegt wurde, blieb jeder der Missionare immer eine Nacht um die andere außerhalb desselben; jener Dieb trat an seine Stelle. Manitius litt jetzt an einem starken Husten, wohl die Folge der langen, entsetzlichen Verrenkungen, welche er in dem Stocke hatte erdulden müssen; der Stockmeister aber gestattete es den Beiden, des Tags in seiner Gegenwart auf seiner Stube öfters zusammenzukommen; doch blieben sie auch hier wenigstens angeschlossen. Der Dechant Lehr ließ sich jetzt seine Bücher zurückerbitten, der Syndikus schickte ihnen dagegen andere Streitschriften gegen die evangelische Kirche, z. B. Weißlingers „Vogel, friß oder stirb" und andere ähnlicher Gattung.