Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 5-6 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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93 darf." Der Präsident bat hierauf um Geduld, das Verhör sei noch nicht zu Ende, einen Brief an Professor Callenberg zu schreiben aber gestattete er nicht. Nun kam auch Wiedmann an die Reihe. Das Verhör geschah über dieselben Punkte wie bei Manitius, und die Antworten waren ganz ähnlich denen seines Gefährten. Als Wiedmann auf die Frage, welcher Religion er angchöre, antwortete, daß er die Augsbnrgrsche Konfession bekenne, genügte das den Richtern nicht; sie erklärten, unter dieselbe versteckten sich allerlei Leute; und sie gaben sich erst zufrieden, als er bekannte, daß er der unveränderten Augsburgischcn Konfession anhange; Exemplare derselben befänden sich ja auch unter ihren mit Beschlag belegten Büchern. Nach allen anderen Fragen zeigte der Syndikus dem Missionar das Buch des Jesuiten Krause wider D. Günther und wies ihn unter den dort aufgeführtcn 50 Punkten auf die Behauptung dieses Jesuiten hin, daß nach 2. Mose 32, 27 es recht sei, die Ketzer zu erwürgen. Der Syndikus srug Wiedmann zugleich, wie ihm diese Schrift gefalle? Natürlich erklärte sich der Letztere sehr entschieden gegen solche Aeußerungen. Der Syndikus wollte nun auch das ganze Buch und die darin enthaltenen Schmähungen nicht rechtfertigen, nannte es im Uebrigen aber höchst lesenswerth. Der Gefangene erwiderte jedoch: „Der Spottgeist ist nicht Christi Geist; wer damit anfängt, spinnt nichts Gutes!" Der Syndikus und der Kommissar fragen, was er denn Böses in dem Buche gefunden habe? Wiedmann antwortete: Krause schreibe, daß die Laien mit geistlichen Sachen durchaus nichts zu thun haben dürften; mithin könnten die Kaiserl. Kommissarien auch ihre Glaubenssache nicht untersuchen. Jener vertheidige ferner die spanische Inquisition und sehe keinen Mordgeist darin, wenn man Ketzer erwürge. In der That kreuzige man so aber gar leicht Christum in seinen Gliedern; die Juden haben gerade aus Eifer wider die Ketzerei ein Todesurtheil gefällt, das Niemand in der ganzen Christenheit billigen könne. Wir Christen sollen uns bestreben, nicht Lästerer und Mörder, sondern Bekenner Christi zu sein. Wiedmann bat dann noch um die Erlaubniß, dem Protokoll eine kurze schriftliche Vertheidigung hinzufügen zu dürfen, und es wurde ihm dies erlaubt. Während dieser Verhörszeit wohnte der eine Missionar in