Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 5-6 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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92 man ihm mit Zwangsmaßregeln, die Folter solle nun ihr Werk beginnen. Hiergegen appellirte Manitius an den Kaiser. Als er aber aufgcfordert wurde, die näheren Umstände ihrer Gefangennahme in Hohcnmauth mitzutheilen, bat er darum, ihnen wegen der hierbei vorgekommenen Härte Recht widerfahren zu lassen. Nach dem zweiten Verhör wurde Manitius von seinem Gefährten getrennt und in der Gerichtsstube mit der Kette an eine Bank geschlossen. Die reinere Luft in diesem Zimmer that ihm sehr wohl, und er konnte hier auch mehr Ruhe als im Stocke genießen. Während des Verhörs mußte Manitius gewöhnlich vor den Richtern stehen; wenn er erschöpft war, hieß man ihn sich niedersetzen, und in den heißen Tagen bekam er auch zuweilen -wohl einen erquickenden Trunk während der Verhandlungen. Einer der Richter ries übrigens Manitius nach dem ersten Verhöre zu: „Seid getrost!" Der Vorsitzende begegnete ihm wenig freundlich. Als sich Manitius auf die Billigung des Missionswerkes durch evangelische Lehrer berief, fuhr er ihn mit den verächtlichen Worten an: „Das werden gewiß der Spener und der Franke und solche Burschen sein!" Am 17. April, Tags darauf, geschah das zweite Verhör. Der Vorsitzende frug Manitius, wie es sich auf der Bank geschlafen habe. Dieser antwortete: „Besser als sonst. Ich habe schon vorher auf der Reise oft kein besseres Lager gehabt; aber mit der Kette habe ich noch nicht also geschlafen. Dagegen ist ein gutes Gewissen ein sanftes Ruhekissen." Der Präsident antwortete darauf, er solle es nur geduldig ertragen, so könne er sich auch einmal rühmen, wie dort Paulus 2. Korinther 13, daß er in Gefängnissen gewesen sei. Am Schluß dieses Verhörs bat Manitius um die Erlaubniß, mit dem Protokoll eine Bittschrift an den Kaiser und die Kgl. Appellationskammer einsenden zu dürfen. Der Vorsitzende frug hierauf: „Glaubt ihr noch an eine göttliche Vorsehung?" Manitius erwiderte: „Ja, die glaube ich von Herzen. Ich weiß wohl, daß Gott schon Zeit und Stunde abgemessen hat, wie lange wir hier sitzen sollen, und werden Sie uns gewiß nicht eine Stunde länger halten können, als es Gott haben will. Das weiß ich. Allein ich weiß auch, daß Gott mir Mund und Verstand nicht umsonst gegeben hat, sondern, wenn ich in solcher Gefahr bin, muß ich meine Unschuld retten, den Mund aufthun und eine hohe Obrigkeit um Erlaubniß bitten, daß ich meine Vertheidigung aussetzen