Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 5-6 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554844-2554848--06985-2562987- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
90 11. Im Werhör. Endlich am 16. April begann nun das längst verlangte Verhör. Jeder der Missionare wurde einzeln vor drei Richtern in der Wohnung des Stockmeisters vernommen. Manitius wurde zuerst vom Stocke abgeschlossen; beim Fortgehn rief ihm Wiedmann zu: „Gott sei mit Ihnen!" Mit der Kette am Fuß mußte er sich vor die Richter stellen, die ihn übrigens freundlich empfingen. Sie zeigten ihm einen Befehl der Appellationskammer in Prag vom 14. April, wonach der Chrudimsche Magistrat, zu dem die Drei gehörten, das Verhör übernehmen sollte, und daß sie also der Anweisung schnell nachgekommen wären. Eine ganze Reihe von Fragen über die persönlichen Verhältnisse von Manitius und Wiedmann bildete den Anfang; daß er nicht Böhmisch könne, wollten sie ihm gar nicht glauben; er wies aber darauf hin, daß er unter den Juden dasselbe nicht nöthig gehabt haben würde, da dieselben überall in Böhmen Deutsch verstünden. Insbesondere ging man darauf ein, woher er denn den Beruf habe, unter die Juden zu gehn? Manitius gab hinreichende Antwort und faßte sie zuletzt in das Schriftwort: „Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst" zusammen. Man verlangte aber Sprüche der Schrift dafür, daß es die Pflicht des Christen sei, den Juden das Wort des Evangeliums zu verkündigen. Manitius führte Römer 9, 1—3 an, wo Paulus in so ergreifender Weise seinen Liebessinn gegen Israel ausspricht; „zu diesem Sinn aber sollen Alle zu gelangen suchen, welche wie Paulus sein wollen; und der Apostel fordert dies auch, denn er spricht: „Seid meine Nachfolger, gleichwie ich Christi". Moses aber hat den Kindern Israel in dem Liede, das er zum Andenken für sie ausgeschrieben, 5. M> 32, auch gesagt, daß Solches geschehen werde; denn er spricht: „Ich will sie reizen an dem, das nicht mein Volk ist". Da nun Gott uns Heiden angenommen und uns zu seinem Volke gemacht hat, so will er nun durch uns sein ehemaliges Volk zum Nacheisern reizen. So ist es aber freilich nöthig, daß wir Alles thun, was unsrerseits zurErfüllung des Willens und der Verheißung Gottes erfordert wird." Ueber den Zweck der Reisen Befragt, verwies Manitius auf die Callenberg scheu Berichte, welche sich unter den ihnen weggenommenen Sachen befänden. Der Missionar mußte den Richtern alsdann eine Probe davon ablegen, wie er mit den Juden rede.