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Dibre Emeth · 1878-01-01 · 5-6 (1878) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
5-6 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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87 sonntag etwas zu essen schicken; heute soll Ihnen ein Trunk Wein zukommen. Leben Sie wohl!" Um 3 Uhr, in der Stunde, da dem Heilande der Trunk am Kreuze gereicht worden war, „empfingen wir ein köstlich Glas ausländischen Weins, anstatt des Essigs und der Galle, damit Christus getränket worden". 10. Prediger in Wanden. In ihrer schmerzlichen Lage sollten die Missionare noch selbst für ihren Tisch und Speisen sorgen. Sie ließen deshalb allerlei Wirthschafts- und Kochgeräth für sich anschaffen; die Messer aber nahm man ihnen des Nachts weg, damit sie sich nicht selbst entleibten. Einige Richter wollten ihnen ein höheres Tagegeld bewilligen, es wurde aber Hintertrieben. Als sie um eine hebräische Bibel baten, wurde ihnen dieselbe abgeschlagen. Dem Mitgefangenen Juden wurde Alles zu lesen erlaubt, die Missionare sollten des Trostes des Gotteswortes beraubt sein; nur im Geheimen lasen sie die 5 Bücher Mosis hebräisch, welche der Jude bei sich hatte. Der stille und doch so ernste Sinn, den Wiedmann und Manitius in ihrem kummervollen Zustand an den Tag legten, und das Zeugniß der Wahrheit, welches sie vor Jedermann ablegten, ließ aber nach und nach manches Gemüth auch unter denen, die ihre bittersten Feinde waren, nicht ungerührt. Der harte Richter, welcher ihnen so viel zugesetzt, wurde allmählig sanftmüthiger, besonders in der Charwoche und in der Osterzeit; ein anderer. Richter war von Anfang an mitleidig gegen die beiden Männer gestimmt und sandte ihnen wiederholt einige Erfrischungen; ein dritter drückte ihnen, als er sie ihre Leiden um Gottes willen fort und fort ohne Klagen tragen sah, innerlich überwältigt die Hand und sagte zu ihnen: „Ich liebe euch wie mein eigenes Herz!" Die Mitgefangenen waren für die Missionare eine große Pein. Mit Ausnahme des Hussiten zankten sie sich, fluchten, schworen und redeten die ärgerlichsten Dinge den ganzen Tag über, um alsdann wieder ihre römischen Gebete und Lieder zu singen und zu beten. Anfangs hörten sie dem Gebet und Gesänge der beiden Evangelischen aufmerksam zu und ließen sich durch den Hussiten auch bewegen, ihnen manche Liebe zu beweisen. Als derselbe aber hinwegkam und die Missionare es abwiesen, katholisch zu werden, thaten sie ihnen alles mögliche Herzeleid an. Die andern Gefangenen erhielten aber

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