Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 5-6 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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86 ein öffentliches Bekenntnis; vorzuziehn, wenn man nicht auch einst verleugnet werden soll. Wir haben ein offenes Tagebuch der Obrigkeit vorgelegt; daraus wird kundig werden, daß nichts im Verborgenen oder im Winkel geschehen ist. Wir können deshalb das Ausgefragtwerden wohl leiden, wünschen aber nur, daß es ohne Passion geschehe. Wir leiden und schweigen." Der Jesuit mag wohl ein wenig beschämt gewesen sein, als er von diesen Leuten ging. 9. Kharfteilag. Am Charsreitage trat der Kaiserliche Kommissar bei den Missionaren ein. Er ließ sich darüber Aufschluß geben, wie sie auf der Reise versorgt würden: die Reisegelder kamen den Beiden durch Wechsel oder direkte Uebersendung aus Halle zu. Der Kommissar frug weiter: „Liegen Sie Tag und Nacht im Stock und werden nicht abgeschlossen?" Wiedmann sagte ihm, daß sie Morgens, Mittags und Abends aus bestimmten Gründen für wenige Augenblicke abgeschlossen würden, sonst aber Tag und Nacht in derselben harten Weise zubrächten. Wiedmann zeigte dem Beamten hierbei die Einspannung und Beklemmung, die ihm den Rücken fast zerbreche; nur etwas mehr Schlaf wünsche er sich. Unter diesen Worten aber fiel ihm ein, daß heut der Tag der Kreuzigung Christi sei, und hierüber rief er aus: „Kreuzige, kreuzige! Wir sind es nicht, die so gepreßt werden, Jesus selbst wird verfolgt. Die Sache ist nicht unser, sondern Gottes und Christi. Der hat ausgespannt am Kreuze gehangen, und wir werden um seinetwillen unter diesen Krenzblock gesteckt. Gott erbarme sich und vergebe denen ihre Sünde, die mit uns als mit Uebelthätern handeln." Tief bewegt antwortete der Kommissar: „Ich muß meinen Mund zuhalten". Wiedmann fuhr fort: „Werden wir angeklagt um der Hoffnung willen, die wir haben an Christo, und um des Zeugnisses willen, das Christus vor Pilatus bekannt hat, so glauben Sie, daß wir mit Freuden diese Bande tragen. Aber es thut uns weh, daß sich diese Stadt ein so schweres Gericht auf den Hals ladet. Gott verschone die Unschuldigen." Mitleidig frug der Kommissar, wie viel Geld sie bekämen. „Täglich 4 Kreuzer", lautete die Antwort; „an eine solche Lebensart sind wir nicht gewöhnt, und doch schmeckt uns ein Mund voll Brot besser als das allerbeste Gericht." „So will ich Ihnen", entgegnete der Beamte, zum Oster-