Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 5-6 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2554541-2554844-2554848--06980-2562982- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
85 8. Zesuit und Missionar. Vier Wochen vor Ostern wurden die Gefangenen auch von dem Landmissionar, einem Jesuiten, besucht; das Amt desselben bestand darin, überall im Lande die heimlichen Hussiten aufzuspüren und zur Verantwortung zu ziehn. Derselbe setzte sich auf einen Stuhl neben dem Stock, in dem die Missionare lagen. Der Jesuit bezeugte ihnen wenigstens in Worten sein Mitleid. Wiedmann hielt ihm vor, wie unbillig es sei, sie so hart gefangen zu setzen, da Andere Land und Wasser umziehn, um den Ungläubigen das Evangelium zu bringen. Der Jesuit schalt die Juden darauf ein unempfindliches und verstocktes Pöbelvolk, an dem man nichts ausrichten könne. Wiedmann dachte anders und bezeugte, wie es sich für einen Diener des Evangelii geziemt: „Gehn wir nur stufenweise, so giebt uns die Gnade die Gelegenheit, auch dem verstocktesten Sünder eine Anweisung zu bringen, wie er von dem Geist der Blindheit frei werden, Buße thun und den rechten Trost suchen solle. Man hat aber Geduld nöthig, damit im evangelischen Geist und nicht mit Härte das Werk getrieben werde." Der Jesuit dagegen verwarf alle Juden als verschlagene und unwahre Leute. Wiedmann hieß ihn einen Unterschied machen und die Zweifelnden unter den Inden nicht zu vergessen, die wohl zu gewinnen seien. Man möge die Rabbinen in öffentlicher Schule über die offenbaren und seclengesährlichen Jrrthümer zur Rede stellen, so würden dieselben vor ihren eigenen Leuten entweder schweigen oder sich so schlecht verantworten, daß gar Manche aus dem großen Haufen der Wahrheit nachzusorschen sich getrieben fühlen würden. Solche Arbeit nun triebe er und sein Gefährte, warum behandle man sie denn so hart? Der Jesuit antwortete ihnen, daß man sie mit den heimlichen Hussiten in eine Klasse geworfen habe; um so mehr drang Wiedmann auf das Verhör, das aller Gerechtigkeit zuwider noch nicht gescheht: sei. Der Jesuit pries dann die katholischen Märtyrer in Japan, aber echt jesuitisch auch die Kunststückchen, mit denen ein Pater das christliche Bekenntniß daselbst zu umgehn und in eine Stadt sich einznschleichen gewußt habe.. Der evangel. Missionar wußte etwas Besseres, er antwortete dem klugen Manne, und für seine Worte war sein ganzes Verhalten bisher die beste Auslegung: „Mit List das Evangelium zu lehren, will uns nicht anstehn; man hat in der Anfechtung keinen Trost. Nach Matth. 10 hat man