Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 5-6 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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83 Gott anvertraut, was er geredet hat. Darum steht es bei uns, zu entscheiden, was kanonisch sei. Was Ew. Hochw. einem Juden antworten, das werde ich Ihnen zurückgeben." Höchst ärgerlich rief derselbe aus: „Er ist auch immer mit den Juden da!" „Das ist mein Werk, damit gehe ich um", entgegnete der Missionar gelassen. In seiner Verlegenheit antwortete der Geistliche: „Ihr habt keine heil. Schrift!" — um dafür freilich die Erwiderung zu hören: „Das ist das erste Wort, das ich hiervon höre". In echt jesuitischer Weise aber verdrehte der Dechant dann dem Missionar seine Worte, als habe er etwas Unzüchtiges geäußert. Doch da zeigte ihm der Gefangene seine Würde und erklärte ihm rund heraus, daß er mit dem hochw. Herrn kein Wort mehr reden werde, wenn er ihm seine Worte im Munde verdrehe. Erst als dieser versprach, ehrlich zu Werke zu gehn, fand sich Wiedmann bereit, das Gespräch wieder aufzunehmen. Aber der Missionar stellte nun auch die Bedingung, daß man endlich einmal die Sache gründlich anfafse und methodisch verhandele, statt nur hin und her zu sprechen. Wiedmann verlangte ein Protokoll und die Bibel als Richterin auf dem Tische. Der Dechant ging es ein; ein anderer Geistlicher, der Hebräisch verstünde, sollte ihm für das alte Testament Helsen. Doch nun forderte der treue Zeuge Gottes auch ein Anderes: „Es muß noch Etwas zuvorgehn. Wir wollen auf unsere Kniee fallen, die Sache Gott vortragen und unter seinem Licht und Gnade den Anfang machen. Beten Ew. Hochw., wir wollen auch beten; und dann wollen wir hören, wer den Andern verdammen könne." — Etwas beschämt antwortete der Dechant: „Was wollen Sie beten? Wenn Sie beten, daß Sie Gott und den, welchen er gesandt hat, erkennen, so kann es angehn." Man war nun eins; das nächste Mal sollte über die ersten Artikel des Tridentinischen Concils gesprochen werden. Der Dechant verließ das Gefängniß und übersandte den Missionaren trotz der Fastenzeit ein Fleischgericht. Nach 6 Tagen erschien dieser Geistliche wieder, ein Diener brachte Dinte, Federn und Papier. Er erlaubte den Missionaren, einen Brief nach Halle zu schreiben, den er der Obrigkeit vorlegen und dann absenden zu wollen versprach. Hierauf begann ein weitläufiges Gespräch, besonders eilte der Dechant zur Priesterehe. Wiedmann legte ihm 1. Tim. 3 vor: „Der Geist aber sagt deutlich, daß in den letzten Zeiten Etliche werden von dem Glauben abtreten 6*