Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 5-6 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Kanonikus einem solchen Bekenner nun wieder seine Kirche an und rühmte die Heiligen, die wie ein Geheimrath dem Könige näher sind als die gemeinen Leute. Ein Schriftwort war die einzige Erwiderung, Joh. 14: „Niemand kommt zum Vater, denn durch mich", und dem Geheimrath stellte Wiedmann den Wundcrrath Jes. 9 entgegen. Konfuse und närrische Rede nannte der Dechant dies Alles, versprach aber, daß, wenn sie katholisch würden, er eine Linderung des Urtheils und jedenfalls Begnadigung, wenn der Tod über sie verhängt werden sollte, bewirken wolle. Beim Abschiede sagte er, daß er ihnen etwas Fleisch schicken werde. Dankend, nahmen cs die Gefangenen an. Wiedmann aber rief ihm vor dem Hinweggehn noch zu, daß, wenn es zum Sterben kommen sollte, *tr Keinen fröhlicher als ihn würde sterben sehn. Dem Dechanten ließ es keine Ruhe, bereits am 12. März war er wieder da. Beim Eintreten bekannte er sogleich, daß er sie doch gar zu gern katholisch machen wolle. Er hielt ihnen das Beispiel eines Soldaten vor, den er an diesem selben Abend aus dem Krankenbette zum Abfall gebracht habe. Dann zog er die Tridentinischen Artikel vor und las sie ihnen vor. Das Gespräch kam zuerst auf die Ueberlieferung oder Tradition: „Die Traditionen sind uralt, sie rühren von den Aposteln her", rief der Dechant. Er hatte aber nicht mit dem Judenmissionar gerechnet, denn der entgegnete: „Der Juden Traditionen sind noch viel älter und sollen von Mose und den Propheten herrühren. Was Sie den Juden antworten werden, die ihre Traditionen erheben, das werde ich auf die römisch-katholischen Traditionen schieben!" Kein Wunder, daß der Dechant den Punkt fahren lassen zu wollen bekannte. Er berief sich aber darauf, daß die römische Kirche zwei Zeugen für sich habe: die lutherische und die reformirte, die Protestanten aber keinen für sich ausbringen könnten. Wiedmann nannte ihm statt dessen drei Zeugen seiner Kirche: bett. Geist, das Wasser und das Blut (1. Joh. 5). Der Kanonikus wollte aber der heil. Schrift nur so weit Autorität zugestehn, als ihr die Kirche Autorität gäbe, also nur den kirchlichen Erklärungen ihrer Worte. „Gottes Wort hat seine Autorität für und an sich. Nur Verwahrerin des Worts ist die Kirche", sagte der Judenmissionar und fuhr fort: „Nach Römer 3 ist den Juden anvertraut, was Gott geredet hat. Ich will die Stelle eines Juden annehmen und sagen: Uns Juden hat