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Dibre Emeth · 1878-01-01 · 5-6 (1878) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
5-6 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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76 zum Dechanten. Die Folgen blieben nicht lange aus. Jener Priester wollte auf alle Weise die Bekehrung der beiden Protestanten durchsetzen. Scheinbare Güte und Freundlichkeit im Angesicht der Ketzer und nichtswürdige Ränke hinter ihrem Rücken, welche denselben die härteste Behandlung zuzogen und besonders einen fortwährenden Aufschub des Verhörs bewirkten, waren die Waffen, mit denen der Mann kämpfte. Einer der Richter selbst hat dies hernach den Gefangenen gestanden. Schon am Abend desselben Tages erschien ein Rathsherr im Gefängniß und brachte den Befehl, daß der Stock geräumt werden solle, damit Wiedmann und Manitius in denselben gelegt würden. Zuerst kam Manitius heran. Wiedmanns Füße wollten sich nicht iu den Stock pressen lassen. Als der Stockmeister das sah, wies er ihm den untersten Platz im Stocke nahe dem Ofen an, wo die Löcher größer waren. Da saßen nun die Beiden auf Stroh und streckten die Füße sammt den Ketten durch den oberen und unteren Balken, welche so weit ausgehöhlt und rund ausgehauen waren, daß der Fuß darin liegen konnte. Es wurde aber auch der Befehl gegeben, diese Gefangenen in der Nacht an beiden Händen zusammenzuschließen in der Form, wie man die Hände zum Beten faltet. Da das Letztere des Nachts geschehen sollte, baten alle Mitgefangenen den Stockmeister um ein Erbarmen, und ihre Bitte wirkte so viel, daß er dies des Nachts unterließ. Von dem Block bis an die Wand war ein Raum von anderthalb Ellen, bei den Füßen war er erhöht, bei dem Kopfe abhängig; es schien, als hingen sie an den Füßen. Wiedmann sagt: „Das Blut schoß mir so sehr zurück, daß die Augen anfingen roth zu werden und anzuschwellen. Gerade konnte ich nicht liegen, weil der Raum vom Block bis zur Wand zu kurz war; auf die Seite konnte ich mich nicht wenden, weil die Füße nicht nachgaben. Endlich unterstützte ich den ganzen Leib mit zwei Rahmen, bald von hinten, bald auf der'Seite, aber es half nicht viel." Manitius fügt hinzu: „Tag und Nacht saßen wir so volle zwei Monate lang. In der ersten Zeit hatten wir viele schlaflose Nächte. Das Ungeziefer plagte uns; der Krampf meldete sich oft in den Beinen; wir hatten wenig zu essen und zu trinken; die Furcht, daß noch etwas Härteres erfolgen möchte, blieb auch nicht aus. Aber es schlug doch zu unserem Besten um, daß wir in den Stock gesetzt wurden; denn wir konnten so die zwei

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