Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 5-6 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2554844-2554848--06970-2562972- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
75 Wiedmann der Name eines Ungezogenen hussitischen Jägers fand, beschuldigte ihn Jener der heimlichen Gemeinschaft mit den Hussiten. Wiedmann wies die Beschuldigung zurück. Lächelnd führte der Richter darauf das lateinische Wort „Wenn, du es gethan hast, so leugne es", an. Wiedmann trat entschieden für seine Wahrhaftigkeit ein und forderte, daß man nun endlich ihm und seinem Gefährten Gelegenheit gebe, ihre Sache zu vertheidigen. Ein Verfahren, wie das mit ihnen eingeschlagene, sei ganz widerrechtlich. — Aber nur mit höhnischem Lachen ging der Richter von dannen. In der Nacht daraus lag Wiedmann schlaflos auf den harten Steinen, und so rief er in dieser Zeit Gott an, er möge ihm Hilfe senden von seinem Heiligthum und Verstand verleihen, nach seinem Willen' das Evangelium zu verantworten. Das Gebet wurde auch erhört, denn der Verklagte wurde hernach für seine Richter ein wahrer Gewissensmahner und ein lebendiger Zeuge für die Kraft des lautern Evangeliums. Am Montage trat ein neuer Abgesandter an ihn heran, bekam aber, bald den Eindruck, daß er gegen Wiedmann nicht bestehen könne, und schlug vor, daß statt seiner ein gelehrter Kapuziner die weitere Unterredung übernehme. Wiedmann antwortete, daß ihm gerade der Gelehrteste der Liebste sei, denn da könne man seine Sache gründlich führen. Aus diesen Mann brachte das ganze Verhalten der Missionare aber einen solchen Eindruck hervor, daß er ihnen einen erquickenden Trunk vorsetzen ließ. Um so härter verfuhr der höhnische Richter, von welchem vorhin die Rede gewesen war, gegen die armen Gefangenen. Bald nach dem eben berichteten Gespräch trat derselbe ein und frug: „Sind die Leute auch wohl verwahrt?" Als er sie ansah, erschien es ihm nicht genug, daß die Ketten am Fuße lagen, sie sollten nun auch in den Stock. 7. Hlauöensproben und Hlauöensfiege. Den nächsten Tag erschien ein Mensch bei den Missionaren, welcher mit ihnen im Namen des Dechanten Bernhard Lehr verhandeln sollte, um sie zum Uebertritt in die katholische Kirche zu bewegen. Dabei redete jener Abgesandte über die Augsburgische Konfession sehr übel. Wiedmann aber fertigte ihn einfach mit den Worten ab: „Was Karl der fünfte gestattet, das hat Karl der sechste bestätigt!" Damit ging der Mensch denn und begab sich