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Dibre Emeth · 1878-01-01 · 5-6 (1878) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
5-6 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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74 hatte, nahm sie hier wahr und brachte die Kunde von ihrer Gefangenschaft nach Schlesien, von wo aus sie später Halle erreichte. Uehrigens nahte sich ihnen, als sie draußen auf dem Markte hielten, auch ein Soldat, der sie anwerben wollte; natürlich hörten sie ihn aber nicht an. 6. Am Wrudimschen Gefängnis;. Endlich im Gefängniß angelangt, nahm man ihnen die Hohenmauthischen Ketten ab und schloß sie an Chrudimsche; sie wurden aber so eng angeschlossen, daß sie sich nicht von der Stelle rühren konnten. Im engen Raume befanden sich nun hier außer den Beiden noch drei Wilddiebe, zwei Mordbrenner, ein Deserteur, eine Kindesmörderin, ein Hussit und ein Jude, welcher Letztere schon über Jahr und Tag allda gesessen; er allein unter diesen Personen verstand auch die deutsche Sprache. Neben dem Ofen befand sich der Stock, auf dem der Jude und der Wilddieb Matthäus schliefen; Wiedmann und Manitius lagen auf den harten Steinen. Neben dem gefangenen Juden lag ein anderer, ein alter, gelehrter Mann auf dem Stroh. Mit diesem sprach Wiedmann in der ersten Nacht darüber, ob der Messias, welcher wiederkommen werde, der Herr Jesus sei. Der Mann hatte in Breslau Müllers jüdischdeutsches Testament gelesen und mit Evangelischen bereits viel über Glaubenssachen geredet. Die Worte des Missionars gingen dem Alten so zu Herzen, daß er noch in der Nacht die beiden evangelischen Glaubensboten beschenkte, und er hernach seinen Sohn zu ihnen sandte, „um diese Leute zu hören". Wiedmann aber fügt hinzu: „Er war der Erste, welchen ich in den Banden lehrte". Den folgenden Tag, welcher ein Sonntag war, ließ sich Wiedmann von dem Mitgefangenen Juden sein Gebetbuch reichen und übersetzte ihm aus demselben Einiges. Das gab denn Anlaß zu weiteren Gesprächen, und auch diesem Sohne Abrahams ward im Kerker hernach vielfach das Evangelium von der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes und von der wahrhaftigen Erlösung durch Jesum Christum gepredigt. Noch am selben Tage stellten sich aber ein Richter und ein anderes Mitglied der Obrigkeit bei den Missionaren ein. In dem engen Raume war durch die Anwesenheit so vieler Menschen bei Tag und Nacht die Lust dermaßen verpestet, daß sich der Richter fortwährend die Nase zuhielt. Weil sich auf der Schreibtafel von

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