Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 5-6 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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73 des Gefängnisses Abschied und wünschten ihnen Gottes Segen. Jener oben erwähnte Polterer disputirte mit Wiedmann bis zum letzten Augenblick; endlich befreite ihn der Stadtrichter von der Gesellschaft desselben. Nun traten sie auf die Straße und wandten sich zum Rathhause hin. Viel Volks war zusammengelausen, die Arrestanten zu sehen. Man hieß sie auf einen Wagen steigen und sich dort auf dem Stroh niederlassen; Beide mußten hierbei einander den Rücken zukehren. Als Wiedmann die Menge des Volkes sah, brach er in die Worte des 3. Psalm aus: Ich fürchte mich nicht vor vielen Hunderttausenden, die sich umher wider mich lagern. Mit den Worten: „Gelobt sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi!" aber begrüßte er sie, und die Leute dankten ihm. Beide Missionare segneten dann noch die Stadt und fuhren frohen Muthes von dannen. Vor dem Thore von Hohenmauth stinunte Manitius das Lied: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" an, und sein Gefährte sang kräftig mit. Auf dem mit vier Pferden bespannten Leiterwagen aber nahm hinter jedem Gefangenen ein Wächter mit einer großen Keule in der Hand Platz, während der Stadtrichter neben dem Wagen herritt. Betend und Sprüche der Schrift einander von Zeit zu Zeit zurufend, fuhren sie dahin. Bei der Einfahrt in die Stadt Chrudim erinnerte sich Manitius des Wortes: „Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn", welches ihm eine Prinzessin des Jahres vorher als Denkspruch mitgegeben hatte, und dasselbe verscheuchte sogleich jedes Bangen, welches im Angesicht der Stadtmauern bei ihm aufsteigen wollte. Professor Callenberg hatte den Missionaren als Geleitswort den 60. Psalm mit auf den Weg gegeben. So oft sie vor die Städte Böhmens kamen, klang derselbe in den Ohren von Manitius wieder: „Wer will mich führen in eine feste Stadt? wirst du es nicht thun, Gott? Schaffe uns Beistand in der Roth! denn Menschen-Hilfe ist kein nütze. Mit Gott wollen wir Thaten thun, er wird unsere Feinde untertreten." Der Hohenmauthische Stadtrichter hatte manche Schwierigkeiten, ehe man ihm seine Arrestanten abnahm. Während dieser Zeit mußten dieselben auf dem Markte halten, aber gerade das sollte für die Gefangenen von Wichtigkeit werden; denn ein junger Mensch aus Landeshut, der Beide daselbst gesehen und kennen gelernt