Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 5-6 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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70 entgegnete: „Mein lieber Herr, deuten Sie mir meine Antwort nicht übel. Ich glaube es wohl, daß ich bald aus dem Gefängniß käme, wenn ich solches thäte, aber ich darf cs nicht thun. In Gottes heiligem Wort steht geschrieben: Es ist nur ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Jesus Christus, der sich selbst gegeben hat für Alle zur Erlösung. Wie dürfte ich mich also zu einer andern Mittlerin und Fürsprecherin wenden? Das kann ich nicht thun." Der Richter erklärte hierauf, er könne ihm allerdings nicht antworten, aber morgen werde Jemand über ihn kommen, der ihm Alles deutlicher machen würde. Er möge doch auch an sich selbst denken. In der Untersuchung werde er gefragt werden, welches Glaubens er sei. Wenn er alsdann das Kreuz dreimal von der Stirn bis auf die Brust herunter machen könne, und wenn er bekenne, daß er katholisch sei, so werde man ihn entlassen. Statt aller anderen Antwort sprach Manitius nur: „Ich glaube an einen dreieinigen Gott, Vater, Sohn und heiligen Geist; den rufe ich in meiner Roth an und hoffe durch die Gnade Jesu Christi selig zu werden". — Eine gute Nacht ihm wünschend verließ ihn der Richter daraus und begab sich zu seinem Gefährten. Wiedmann hatte nun eine ähnliche Probe zu bestehen. Der Richter trat sehr freundlich bei ihm ein und ließ die Andeutung fallen, daß man sie wohl als mit den Landesgesetzen Unbekannte freigeben werde; auch sonst sprach er manches gütige Wort. Dann aber stellte er sich vor den Gefangenen hin, machte vor ihm in katholischer Weise das Kreuz und sagte, daß er bald erlöst werden Würde, wenn er dies nur nachmachen wolle. Mit allerlei trostreichen Zusagen verließ er auch ihn. Des folgenden Tages traten nicht weniger als vier Gerichtsbeamte bei Manitius ein. Einer derselben fuhr mit heftigen und spöttischen Worten auf den Missionar los. Als ihm derselbe auf seine Frage, wo er her sei, was er gelernt und ob er die Universität beendigt habe, Halle als seinen Studienort nannte, zugleich aber hinzufügte, daß er noch täglich studire und damit sein Leben lang nicht aufhören werde, brauste der Mann auf: „Ja, ich glaube es wohl, daß Sie immerfort lernen müssen und doch nimmermehr zur rechten Erkenntniß kommen! Luthers Lehre ist einmal eine verwirrte, dumme Lehre. Wie sollte auch der weggelaufene Mönch