Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 5-6 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 2. In Ketten. Am Morgen nach dieser Nacht erschienen drei Richter bei den Gefangenen und ließen sie zunächst durchsuchen, wobei sie ihnen denn auch all' ihr Geld abnahmen. Weil es unter demselben einige stark abgenutzte Münzen gab, schalten sie die Missionare tüchtig und sprachen den Verdacht aus, daß sie wohl gar Falschmünzer seien. Bald nach ihrem Weggange aber traf der Stadtrichter mit dem Befehle ein, den Beiden Ketten anzulegen und sie anzuschließen; in seiner Gegenwart mußte auch Beides geschehen. Wiedmann rief hierbei aus: „per aspera ad astra, auf rauher Bahn geht's himmelan"; Manitius küßte die Ketten, die man ihm angelegt. Als der Richter herausgegangen war, fielen die Gefangenen auf ihre Kniee und schüttete» ihre Seele im gemeinsamen Gebete aus. Dann sprachen sie einander zu, auf Christi Bande und Tod leben und sterben und bis zum Martertod beständig bezeugen zu wollen, daß es ihnen allein um ihren gekreuzigten Heiland zu thun gewesen sei. Sie ermahnten aber einander auch, nicht auf Freunde oder Feinde, sondern auf den Willen und das Wohlgefallen Gottes, ohne welchen ihnen kein Haar vom Haupte fallen werde, zu sehen. Sie faßten ihre Seelen in Geduld und bereiteten sich auf die Stunde der Versuchung vor, wenn sie von einander getrennt werden sollten, versprachen sich aber, auch dann im Geist und der Wahrheit bei einander bleiben, Gott loben und Christum verherrlichen zu wollen. Bald darauf traten die Richter wieder ein und forschten nach, ob die Beiden mit dem schon erwähnten Moos in Verbindung stünden oder Abgesandte der Herrnhuter wären, welche die heimlichen Protestanten aufsuchten. In dem Glauben, daß sie für Zwecke solcher Art mit reichen Geldmitteln versehen sein müßten, erklärten ihnen Jene, daß sie gewiß mehr Geld bei sich führten, als zunächst vorgesunden wäre. In Folge einer etwas oberflächlichen Durchsuchung hatte nun auch der Stockmeister einen Dukaten und einige Gulden in einer verborgenen Tasche der Beinkleider des Manitius stecken lassen, die sich hernach vorfanden. Der arme Stockmeistcr wurde dafür des heimlichen Einverständnisses mit den Gefangenen bezichtigt und seines Amtes entsetzt. Jedenfalls nahm man diesen jetzt auch ihre Ueberröcke hinweg, um dieselben aufzutrennen, und das war für sie um so härter, als sie diese Kleidungsstücke zu ihrer Bedeckung.in der Nacht verwandten. Durch eine