Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 5-6 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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67 Sache." Der Richter aber befahl, daß die Gefangenen noch an demselben Abende in die Stadt und vor den Bürgermeister geführt würden; doch kamen sie an diesem Abende nicht mehr vor diese obrigkeitliche Person, sondern statt dessen in's Gefängniß. Die Beiden waren nun also im Kerker, aber wiewohl sie den ganzen Ernst ihrer Lage sogleich erkannten, lobten sie dennoch, wie es ihre Tagebücher ans der Zeit der Gefangenschaft ausdrücklich erwähnen, vor Allem Gott und dankten ihm für seine Führung, Einer immer dem Andern zugleich ermunternde Worte znrufend. Manitius und Wiedmann sprachen Lateinisch miteinander, denn sie wollten nicht, daß es ihre Mitgefangenen verständen. In demselben Raume befanden sich nämlich noch zwei Frauenspersonen, welche Unzuchts halber eingesetzt waren, die Tochter und der Sohn des Gefangenwärters und ein alter Mann. Der Letztere wandte sich endlich gleichfalls in lateinischer Sprache an die Missionare und tröstete sie mit dem Hinweis aus die Hilfe Gottes; dann verließ er sie. Der alte Herr war ein Richter aus der Stadt. Als ihm die Missionare vorhielten, daß die Jesuiten selbst unter die Juden nicht gingen, Andere aber, die das thäten, einkerkerten und also ein doppeltes Unrecht verübten, gab ihnen der Alte hierin Recht, Für die Nacht wurden indeß zwei gepanzerte Wächter in das Zimmer der beiden Gefangenen gestellt, welche auf dieselben besonders Acht geben sollten; bald jedoch schliefen diese Wächter ein, und wie diese, auch die übrigen Mitgefangenen der Missionare. Da nun Niemand die Beiden mehr beobachtete, rückten sie näher aneinander; sie besprachen es, wie es ihnen wohl ergehen werde, aber sie kamen auch überein: „nichts zu verhalten, was zur Ehre Christi diene, und was vor der römisch-katholischen Kirche bezeugt werden müsse; und wir suchten Waffen des Lichts hervor, mit denen wir zu kämpfen haben würden". Manitius schlief dann ruhig auf harter Bank ein, Wiedmann fand schließlich auch den Schlaf. Im Traume aber kam es ihm vor, als riefe ihm Jemand zu: „Warte nur dreißig und fünfundzwanzig Tage; es dünkte mich, daß ich nach solchen Tagen vor dem Richter stünde, herumging und kochte, aber doch noch gefangen war, mehr Freiheit zu haben und des Richters gar los zu sein wünschte." — Und genau bis auf alle Einzelheiten, so wie er es in diesem Traume gesehen und gehört, ist eS ihnen hernach wirklich ergangen. s*