Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 3-4 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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57 müthig und kindlich neigte sich auch seine Seele vor der Gnade Gottes in Christo. Am 12. Sept. befiel ihn äußerste Mattigkeit, und der Pfarrer besorgte seinen Tod. Da hob man ihn aus seinem Bette, brachte ihn in einen Ruhesessel in der unteren Stube und rief den Schultheißen und den Gerichtsältesten herbei, damit sie Zeugen des Glaubensbekenntnisses und der Taufe dieses Simeon würden. Bor ihnen ward er in den Bund Christi ausgenommen, und hierbei ihm die Namen Jakob Christian Gottlieb Theobald beigelegt. Nach der Taufe ließ er sich in seine alte Wohnung bringen, wo man ihm aber Ruhe vor den Juden verschaffte. Hier nun verschlimmerte sich seine Krankheit zusehends; bis zum 24. September konnte er kaum Nahrung genießen. Die Kräfte des Leibes nahmen denn auch schnell ab, seine Geisteskraft aber wuchs desto mächtiger. Man unterhielt bei ihm zwei Personen zur Wartung und zum Schutze, die hielten alle Störungen fern; der Pfarrer aber fand sich bei dem lieben Alten drei- bis viermal des Tages ein, um ihm Gottes Wort zu bringen und mit ihm zn beten. Nur Eins beunruhigte Döble noch mehrfach: was er als Jude gesündigt hatte, und wie er da seinem Heilande zuwider gewesen war. Als ihn der Pfarrer tröstete, fiel ihm das Wort Jakobs zu Joseph (1. Mose 46, 32) ein: „Ich will nun gerne sterben, nachdem ich dein Angesicht gesehn habe, daß du noch lebest"; das bezog er jetzt auf seine Seele, welche den Goel (Erlöser) Jesum Christum erblickt habe, und in diesem Gedanken überkam ihn eine wunderbare Freudigkeit. In diesem Zustande machte er am 24. Sept. sein Testament und starb dann freudig und selig an demselben Tage. Am 26. Sept. ward er begraben; „Christus, der ist mein Leben," sang man am Grabe, und der Pfarrer predigte über Hiob 19, 25—27: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt; und er wird mich hernach aus der Erde auswecken. Und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehn. Denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder!" Ja, wer so stirbt, der stirbt wohl!