Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 3-4 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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55 anweisen wollen. Der Messias Gottes war ihm nun offenbar geworden, und er sehnte sich darnach, als sein Jünger ihn zu bekennen, der ihn zu seiner Erkenntniß gebracht. Am 1. Sept. 1771, dem 14. Sonntag nach Trinit., trat der Kirchvorsteher Nikolaus Schneider in Ellstadt bei seinem Pastor ein und erklärte ihm, daß er im Aufträge des greisen Inden Döble bei ihm erscheine und ihn für denselben um den christlichen Unterricht und die Taufe darnach ersuchen wolle. Tags darauf kam Döble selbst zu dem evangelischen Pfarrer und das schon in früher Morgenstunde. Aber kaum hatte er demselben sein Anliegen vorzutragen begonnen, so waren auch seine Frau und seine Tochter da. Mit heftigen Worten wandten sich die beiden Frauenspersonen an den Alten, sie schalten ihn, daß er den Geistlichen so früh beunruhige, sie forderten, er solle alsbald mit ihnen nach Hause kommen, sie warfen ihm vor, daß er das ihm vorgeschriebene Gebet noch nicht gehalten, und hießen ihn sich in die Schule (Synagoge) begeben. Döble hielt diesen Sturm ruhig aus, aber er verweigerte es bestimmt und doch ohne Erregung, mit den Seinigen zu gehn. Er erklärte ihnen vielmehr, daß er jetzt zunächst bei dem Pfarrer bleiben und mit ihm beten müsse, er bat sie aber auch, daß sie ihm doch folgen und mit ihm den gleichen Weg gehn möchten. Seine Frau und Tochter aber erhoben ein großes Wehklagen, und die letztere machte dazu noch der Mutter die bittersten Vorwürfe, daß sie diesem Unheil nicht rechtzeitig vorgebeugt habe, denn längst schon hätte genug Vorgelegen, um sie das erwarten zu lassen, was nun geschehn sei. Mutter und Tochter aber versuchten stets von Neuem, den Alten durch' Bitten und Thränen umzustimmen, er jedoch blieb fest; zuletzt geriethen sie in eine solche Aufregung, daß sie dem Pfarrer drohten, sie würden die ganze Judengemeinde gegen ihn erregen; da wies sie derselbe von sich und schaffte auf diese Weise zuvörderst Ruhe in seinem Hause. Als nun die Angehörigen Döbles gegangen waren, führte der Pfarrer den Greis zunächst in eine stille gelegene Stube des oberen Stockwerkes. Dort srug er ihn, was ihn denn zu einem solchen Schritt bewege, und stellte ihm vor, daß er als Christ und durch sein Christwerden keinerlei zeitliche Vortheile zu erwarten habe. Bewegt antwortete ihm der alte Mann: „Ich bin ein 74jähriger Greis und glaube, ja, ich fühle es ganz deutlich, daß ich nicht