Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1878-01-01 · 3-4 (1878) · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
3-4 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554844-2554847--06948-2562949
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

54 Eilen) vollendet. Am 2. Sept. 1771 stellte sich bei dem evangelischen Geistlichen in Ellstadt, wie I. Beyer im zweiten Stück seiner fortgesetzten Nachrichten über die Hallische Judenmission vom Jahre 1778 erzählt, ein alter Jude, Namens Döble, ein und bat mit dringenden Worten um die Taufe. Die Geschichte desselben ist folgende: Er war im Jahre 1697 in Fürth bei Nürnberg geboren, streng im jüdischen Glauben erzogen und hatte sich dann der Kaufmannschaft gewidmet. Begabt und geistig angeregt, war er aber auch stets bemüht gewesen seine Kenntnisse zu vermehren, und hatte, was damals eine Seltenheit unter den Juden war, deutsch schreiben und lesen gelernt. Als er sich dann 1744 in Ellstadt häuslich niederließ, genoß er in der dortigen jüdischen Gemeinde um seiner Kenntnisse und sonstigen Vorzüge willen große Achtung und wurde recht eigentlich für den ersten Mann in derselben angesehn. Im Talmud wohl bewandert, war er jedoch nicht so einseitig für denselben eingenommen, daß er für etwas Anderes gar kein Ohr gehabt hätte. Und da ihm bei seinem häufigen Eintritt in Christenhäuser die Schrift sowohl Alten als Neuen Testamentes öfters vor die Augen kam, fühlte er sich von derselben in besonderem Maße angezogen. Die Folge war, daß er allmählig selbst in der Schrift forschte und las; er that dies aber ganz in der Stille und that es anhaltend; er that es endlich auch mit jenem Wahrheitssinne, welcher dem heiligen Geiste Raum giebt, daß er das Herz erleuchte und das Verständniß für den Willen und Rath Gottes öffne. Sechs Jahre hatte Döble so die Schrift gelesen, vom Jahre Jahre 1765 bis 1771, und war nun ein 74jähriger Greis. Aber das Wort von Christo war in diesen letzten sechs Jahren über ihn stärker geworden als Alles, was er in seinem ganzen vergangenen Leben für Wahrheit anzusehn gelernt hatte. Und er widerstrebte nicht dem Geiste Gottes, er hielt demselben nicht die alte Gewohnheit und die theuern Familienbande entgegen, er beruhigte sich auch nicht dabei, daß er ja mit dem Herzen glauben und zugleich die frühere äußere Form und Gemeinschaft erhalten könne, sondern er folgte gehorsam dem Rufe Dessen, der ihn so spät ausgesucht, daß er noch in der letzten Stunde in sein Reich eintrete und ihm diene, wie oder wo ihm derselbe seinen Dienst werde

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.