Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 3-4 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554844-2554847--06947-2562948- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
53 verwilderte und steinige Acker der Herzen durch die Pflugschaaren Gottes aufgewühlt werden muß, und sind dankbar und zufrieden, daß sie ihm hierbei Handlanger sein dürfen, dankbar und zufrieden um so mehr, wenn da und dort eins der Körnlein, welches solchem Boden anvertraut worden ist, Wurzel faßt und zum Früchtebringen kommt. Aber allerdings, wie oft wird noch die Sichel Gottes über die Dornen und Disteln gehn müssen, welche auf dem jüdischen Herzensacker auch in Palästina aufwachsen! Denn welche gewaltige Sprache redet nicht das Schicksal des Islam zu den Herzen der dortigen Juden! Letztere bekennen ja von dieser Religion, daß sie in ihrer Gotteslehre der Wahrheit viel näher stehe, als das Christenthum, daß sie in diesem höchsten Punkte dem Judenthum am Verwandtesten sei — und nun müssen sie es mit eigenen Augen ansehn, daß der Islam bei aller Rechtgläubigkeit seiner Bekenner in sich selbst ohnmächtig ist, und daß gerade das Christenthum ihn seinem Ende entgegenführt. Dennoch wird auch diese Sprache nicht einmal von den dortigen Juden verstanden. Sie nehmen vielmehr allen Unkrautssamen zunächst nur reichlicher auf; talmudischer Aberglaube und Fanatismus mit allen üblen Folgen desselben richten in jenem Lande die schlimmsten Verheerungen an. Und dringt alsdann noch, wie der Anfang dessen bereits geschieht, der europäische Unglaube allda ein, um sich mit dem Pharisäerthum der alten Art zu verbinden, dann wird es an neuen Gerichtsernten nicht fehlen. Wunderbar aber bleibt es bei dem allen, daß sich der alte Boden Palästinas wieder mit seinem heimischen jüdischen Gewächs bezieht, und wunderbar, daß die Knechte Gottes daselbst auf dem' Plane sind, eine bessere Ernte herbeizusühren. Beides sehn unsre Augen zu gleicher Zeit; sie erblicken aber darin, als in seinen ersten Anfängen, das Bild, welches der Geist Gottes durch die Worte der Propheten Alten und Neuen Testaments längst vor unsere Augen gestellt hat, und wir wissen darum: Die Sichel wird weiter über diese Gefilde fahren und blutige Mähearbeit thun; aber auf denselben wird zuletzt dann auch eine heilige Gottesernte erstehn: das zu seinem Heiland bekehrte Volk Israel.