Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 3-4 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2554844-2554847--06935-2562936- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
41 Sie stehen während dieser 9 Monate ferne von uns, ganz unter dem Einfluß der abessinischen Christen, der in jeder Beziehung nachtheilig für sie ist. Am 5. April besuchte uns ein abessinisch-christlicher Debtera. Wir lesen mit allen Besuchenden Gottes Wort und reden darüber. Diesem lasen wir die Bergpredigt vor. Sie werden erstaunen zu hören, daß dieser Gelehrte steif und fest behauptete, die Christen seien verpflichtet, das ganze mosaische Gesetz zu halten, weil Christus sagt: Ich bin nicht gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen, sondern zu erfüllen. Aus Jer. 31, 31 ff., Gal. 5, Hebr. 10, 9 und andern Stellen zeigten wir ihm, daß Christus des Gesetzes Ende sei, daß er einen neuen Bund, den Gnadenbund, aufrichtete, und indem er diesen einsetzte, den alten aufhob. Die Falascha gebrauchen diese Stelle oft als Waffe gegen uns; daß aber ein abessinischer Debtera nicht mehr Schriftkenntniß und Verständniß hat, zeugt von der beispiellosen Unwissenheit dieser hochmüthigen Menschen. Mein Onkel Bedjrwand Rada lebt in Belesa. Er ist stark im Glauben, lebt mit seiner Frau im Frieden und Einigkeit des Geistes, und in der Freude seines Glaubens sagt er oft: Ich bitte Gott, Herrn Flad ein Erbtheil an Seinem himmlischen Reich zu geben. Wäre er nicht zu uns gekommen, so befände ich mich noch im Unglauben, in der dicken Finsterniß des Falaschathums. Wer hätte uns von Christo gesagt? Wer zu Jesu gebracht, wenn er nicht gekommen wäre? — So oft ich ihn sehe, ist sein Mund voll Lob. und Dank. Aba Te-esasu und Aba Samuel sind noch Falascha. Letzterer kommt näher, nach und nach wird es hell in seinem Innern, und ich habe Hoffnung, er wird noch ein Ueberwundener Jesu. Dagegen habe ich für meinen Onkel Te-esasu wenig Hoffnung. Er nimmt es mit der Wahrheit nicht ernst genug und ist reich. — Es steht nicht umsonst geschrieben: Wie schwerlich werden die Reichen in's Reich Gottes kommen. Einen treuen, lieben Freund und Bruder haben wir hier in Assoso, Namens Nawai Worke. Er fürchtet Gott, liebt Christum, hat sich von dem Gewohnheits-Christenthum des Landes losgesagt, kommt Morgens und Abends zu unfern Hausandachten und wird nie müde, das Wort Gottes zu lesen oder zu hören. Er ist ganz