Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 3-4 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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39 reisen hin und 24 Tagereisen zurück machten wir zu Fuß und zwar barfuß. Ach, wie viele Schweißtropfen wurden da vergossen, wie viele Dornen mußten fast täglich aus den Fußsohlen gezogen werden, wie viele Seufzer sandten wir himmelwärts, wenn wir mit unserer Last die steilen, unwegsamen Berge hinankletterten; aber auch wie viele Gebete sandten wir in den Himmel für uns, unser armes, so tief in geistiger Finsterniß sitzendes Volk und für Sie und alle unsere unvergeßlichen Freunde in Europa. Wie oft redeten wir miteinander, im Schatten eines Baumes ausruhend, an einem Flusse uns labend, von den herrlichen Tagen und Jahren, die wir in Crischona verlebten, und die uns zum bleibenden Segen sein werden. — Wenn wir während der Mittagshitze in der Nähe eines Wassers, im Schatten eines Baumes Rast machten, knetete ich aus unserem Mehlvorrath Teig, legte unser rundes Eisenblech auf 3 Steine, machte Feuer darunter und buk, sobald es erhitzt war, unsere Kuchen, die mit Salz und rothem Pfeffer bestreut unser Mittagessen waren. Ich erlangte in dieser Bäckerkunst große Fertigkeit, Aragawi übertraf mich aber weit. So oft wir Abends in ein abessinisches Dorf kamen, handelte er von den Dorfbewohnern gegen Nadeln, Sandelholz und Spießglanz Milch und Brot ein. — Der Herr hat auf jener gefahrvollen Reise Großes an uns gethan, wofür wir mit den Unsrigen Ihm von Herzen dankten. So lange der liebe Br. Samani noch lebte, dachte ich oft, allein zu leben wäre auch schön. Seit er aber von meiner Seite genommen, habe ich es schätzen gelernt, welch' ein Segen es ist, wenn zwei Brüder in Liebe verbunden friedlich miteinander leben, miteinander beten, berathen, das Wort Gottes betrachten, Freude und Leid miteinander theilen. — Der Tod meines lieben Br. Samani geht mir sehr nahe, stimmt mich oft recht traurig und erweckt in mir ein Heimweh. Nur die Hoffnung des Wiedersehens durch den auferstandenen Heiland giebt mir Kraft, meinen Schmerz zu tragen. Hoffnung läßt nicht zu Schanden werden. — O wie selig und friedevoll war aber auch sein Tod.*) Aus ihn finden *) Br. Sanbatu schreibt noch Einiges über den Tod seines Br. Samani; unter Anderem, daß Samani sich bei Lebzeiten, als er kränkelte, seinen eigenen Sarg machte; da er aber nicht ganz fertig geworden war, stand er 8 Tage vor seinem Tode aus, vollendete mit Hülfe von Agasche das noch Fehlende und sagte dann: Nun ist wein Haus fertig!