Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 1-2 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554844-2554846--06917-2562917- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
24 blickt sein Feld und sieht oft statt des göttlichen Samens, der aufgeht und eine reiche Ernte verheißt, nichts als Wicken, Disteln und Dornen. Ich fühlte mich selbst am Rande der Verzweiflung; aber da ich meine Hoffnungen durch die Erwägung neu belebte, daß frühere Segenscrweisungen das Unterpfand für zukünftige seien, schrieb ich ein Ereigniß nieder, das in meinem Missionsleben stattgefunden hat. Es war ein heißer Tag. Matt und müde an Leib und Seele, da man mich von Seiten des Rabbi und in jedem Hause der schönen Stadt H. abgewicsen hatte, lenkte ich meine Schritte zur Eisenbahn, um mit dem nächsten Zuge nach Hause zu reisen. Außer anderen schlechten Eigenschaften besitze ich auch die, daß ich niemals meinen Weg kenne; entweder ich gehe zu weit nach Westen oder nach Norden, ja manchmal rückwärts statt vorwärts, leider genau so, wie in meinem geistlichen Leben. Damals nun ging ich mehr als eine englische Meile zu weit, um den Bahnhof erreichen zu können. Zuletzt kam es mir ein, daß ich irre gehen möchte, und so frug ich Jemand, ob ich in der Nähe des Bahnhofs sei. Der Mann starrte mich an, lächelte und sagte: „Sie sind mehr als eine Meile von demselben entfernt und befinden sich in einer ganz falschen Richtung. Diese Straße hier vor uns heißt die Amsterdamer Straße, gehn Sie zurück, bei der dritten Straße wenden Sie sich rechter Hand und dann fragen Sie wieder." Ich dachte, daß dies doch recht ärgerlich wäre, und blickte um mich, als ob ich einigen Trost für die Düsterheit suchte, deren sich diese Stadt vor allen ihren Schwestern in Nord-Holland rühmen kann, obgleich sie im Frühjahre mit Feldern von Tulpen und Hyacinthen umringt ist. Ich stand im Begriff, meinen Rückmarsch anzutreten, als ich mir gerade gegenüber einen Cigarrenladen erblickte. An der Thür stand ein anständig aussehcnder Jude. Ich ging auf ihn zu und las über seinem Laden in großen Buchstaben den Namen B., der Name gefiel mir nicht, denn er würde im Deutschen etwa „Eisenhart" bedeuten. Ich sagte zu mir selbst: „Wenn dieser Mann einen Willen wie Eisen hat und einen Nacken wie eine eiserne Ader (Jesaia 48, 4), so wird meine Arbeit an ihm vergeblich sein." Jedoch ein besserer Gedanke durchzog meine Seele: es steht ja nicht in der Macht eines Menschen, den Willen von der Finsterniß des Unglaubens und vom Aberglauben zu den« Lichte und dem Glauben