Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 1-2 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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21 Nach einer Weile nahm ich das Gespräch wieder auf und redete ihn an: „Lassen Sie mich jetzt die Frage an Sie richten: Sind Sie dem Versprechen treu geblieben, welches Sie Ihrem sterbenden Vater gegeben, und ist das Wort Gottes fort und fort Ihr Führer und Leitstern? Glauben Sie, daß Jesus der Messias ist und der alleinige Heiland unserer Seelen?" Der junge Reisende erwiderte: „Meine Geschichte ist noch nicht zu Ende. Die irdischen Ueberrestc meines theuren Vaters waren noch nicht zrir Erde bestattet, als man mich zu dem entseelten Körper führte, über dem ich in Gegenwart eines Rabbi einen feierlichen Eid leisten mußte, daß ich, so lange meine Mutter lebte, mich nicht taufen lassen würde. Die Inden wissen es wohl, daß ich in meinem Herzen ein Christ bin, trotzdem aber reise ich für ein jüdisches Geschäftshaus in K." Ich frug den jungen Mann, ob er sich noch an dem Gottesdienste in der Synagoge betheiligte. „Wie könnte ich das?" antwortete er. „Wenn ich mich in einer Stadt aufhalte, besuche ich den christlichen Gottesdienst, und so oft ich am Sonntage in Amsterdam bin, gehe ich zur Zions- Kapelle, um den Missionar Adler predigen zu hören." Missionar Bloch nahm hiernach natürlich Gelegenheit, dem jungen Manne den Ernst seiner Pflicht, Christum öffentlich vor den Leuten zu bekennen, vorzuhalten; er rief ihm das Wort des Heilandes in die Seele zurück: „Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich wieder bekennen vor meinem himmlischen Vater!" Aber Bloch schied auch von ihm mit der guten Zuversicht, daß die Stunde desselben kommen werde, und fühlte sich durch die Erfüllung der Verheißung: „Wirf dein Brot in das Wasser, so wirst du es finden nach langer Zeit" neu gestärkt. Und was giebt es denn auch für ein schöneres Wirken, als das, dabei man die Seligkeit seiner Brüder und Schwestern sucht? Ein blindes Mädchen brachte einem Geistlichen 30 Mark für die Mission. Er wollte sie nicht annehmen, sondern sagte: „Du bist ein armes, blindes Mädchen und kannst so viel nicht geben!" „Allerdings bin ich blind," entgegnete sie, „aber ich kann diese 30 Mark vielleicht eher geben, als Sie meinen." „Wieso dies?" „Sehen Sie, ich verfertige Körbe und kann im Dunkeln ebensogut