Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 1-2 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 jüdische Schriftsteller, welche dem Talmud so ziemlich Lebewohl gesagt haben, denselben fast bis zum Himmel erhoben. In dem einen Falle läßt man sich nur durch den Haß gegen die Juden bestimmen, in dem anderen Falle versucht man die Leute zu täuschen, indem man auf die Unkenntniß des Talmud außerhalb der Judenschaft rechnet. Beide greifen aber nur das ihnen Bequeme heraus und hüten sich sorgfältig, das eigentliche Bild des Talmud wiederzugeben. Wir wollen daher einen ganz unparteiischen Weg einschlagen, wir wollen nämlich den Talmud selbst im Zusammenhänge reden und ihn also das ungetrübteste Zeugniß in seiner Sache oblegen lassen. Dann mag Jeder selbst urtheilen, wie es mit demselben steht, zugleich aber auch einen Vergleich zwischen Altem und Neuem Testamente einerseits und dem Talmud andrerseits anstellen und endlich ermessen, ob die Lobredner des Letzteren Ursache haben, dieses ihr heiliges Buch so hoch zu erheben, und ob sie wohl daran gethan haben, dasselbe dem Evangelium vorzuziehen. Christenthum und Judenthum mag man auf diese Weise miteinander vergleichen. Wir lassen also hier sogleich den Anfang des Talmud, das erste Kapitel, welches die Mischnah (der Text des Talmud) enthält, folgen, und bemerken nur, daß eben dasselbe durchaus zur Kennzeichnung des Buches geeignet ist, denn es athmet völlig den Geist des ganzen Buches und stellt recht eigentlich dieArtdesselbenimKleinen dar. Traktat (Buch) I. Lobsprüche. Kap. 1 § 1. Von der Zeit an fängt man des Abends an, das „Höre, Israel" zu sagen, da die Priester hineingehen und ihre Hebe essen dürfen, bis zum Ende der ersten Nachtwache. Dies ist die Meinung R(abbi) Eliesers. Die andern Gelehrten sagen, es sei noch Zeit dazu bis Mitternacht. R. Gamliel aber will, daß man es bis zum Anbruch der Morgenröthe sagen dürfe. Einst kamen seine Söhne aus einem Trinkhause nach Haus und sagten ihm, sie hätten das „Höre, Israel" nicht gebetet. Da sagte er, wenn die Morgenröthe noch nicht angebrochen, seien sie es schuldig, noch zu thun. Und so ist es, sagte er, mit Allem beschaffen, wozu die Gelehrten die Zeit bis Mitternacht bestimmt, daß man es noch thun muß, bis die Morgenröthe angebrochen. So darf man das Fett von Opfern und die Stücke von den Brandopfern die ganze Nacht über bis zur Morgenröthe anzünden. Desgleichen darf man