Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 11-12 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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189 Gemälde gefallen sein. Ebenso durfte Dr. R. auch nicht, wenn er allein dem Geiste der Humanität dienen wollte, in seinen Angriffen so viel die Waffe des Spottes zur Anwendung bringen. Das Verdienst bleibt ihm jedoch, daß er darauf hingewiesen, wie wenig Recht das orthodoxe sowohl als das fortschrittliche Judenthum mit der Behauptung hat, die Religion in ihrer höchsten Gestalt zu besitzen, und wie sehr in demselben die Phrase und die tobte, leere Form das Leben überwiegt. Dem sich blähenden fortschrittlichen Judenthum weist er noch besonders nach, daß es nichts Eigenes geschaffen, sondern, daß es lediglich von den Ueberbleibseln des alten Talmudismus lebt. 2. Die Hefchichte des jüdischen Walkes und seiner Literatur vom öaöqlonischen Lrile öis auf die Kegemvart. 1. Lieferung. Rabbiner Dr. S. Bäck. Liffa. 1878. Th. Scheibet. 96 S. Uns liegt hier die erste von 5 Lieferungen eines Werkes vor, welches die Geschichte der Juden seit ihrer ersten Verbannung vom jüdischen Standpunkte aus beschreiben will. Nach dem Bisherigen zu urtheilen wird das Buch in einfacher und allgemein verständlicher Weise seinen Gegenstand behandeln. Der Verfasser macht gewiß nicht darauf Anspruch, den Stoff selbstständig zu bearbeiten, sondern er will offenbar nur einem größeren Publikum die Ergebnisse der Forschungen Anderer zugänglich machen. Wahrscheinlich wird sein Werk eine gute Aufnahme in weiteren Kreisen der Juden finden, da es zur Orientirung aus seinem Gebiete ganz geeignet ist. Daß der Verfasser den jüdischen Standpunkt einnimmt, ist ganz natürlich; so hat er sich denn auch jener Richtung unter den jüdischen Gelehrten angeschloffen, welche das echte Judenthnm unter den Pharisäern findet. Auch er glaubt, daß man christlicherseits die Pharisäer nur als Ausbunde alles Schlechten betrachte. Dem ist jedoch nicht so; neben der allerdings ziemlich breiten Schicht von Heuchlern und Fanatikern kennen auch wir vielmehr eine große Zahl religiös ernstgesinnter und humaner Leute unter denselben. Aber wir stimmen freilich in das Urtheil des A. und N. T. ein, welches das Gericht über alle ausspricht, die menschliche Tugend und Gerechtigkeit als auch vor Gott genügend ansehen, und wir wissen ebenso, daß alle derartige Religiösität und Humanität nicht vor den schlimmsten Leidenschaften, Ausschreitungen und Verwirrungen schützt, wenn sie nun auf die Probe gestellt wird.