Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 11-12 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554836-2554843--06884-2562883- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
188 ebenso ist ihm die Schrift ein Zeugniß desselben. Von hier aus verurtheilt er nun den Talmud und das ganze officielle Jndcnthum in seinen Gottesdiensten und Gebräuchen, und versucht anfznzeigen, wie die eigentlichen Anschauungen der heutigen Juden in den Culturländern im direktesten Widerspruch mit der Gestaltung ihres religionsgemeindlichen Wesens stünden. Wir selbst stehen ja anders zu der heiligen Schrift und zu den Trägern und Verkündigern ihrer Gedanken als Dr. R.; wir erkennen in ihnen Zeugen des Glaubens, der uns viel mehr, als die bloße Humanität ist; denn wir wissen, daß die letztere erst ans dem erstercn quillt. Andererseits erkennen wir an, daß der Humanismus sich noch gewisse Grundgedanken, die er einst vom Glauben überkommen, bewahrt hat, und wir gestehen Dr. R. insbesondere zu, daß jeder Formalismus, dem der innere Gehalt verloren gegangen ist, oder der wohl gar im entschiedenen Widerspruche mit der eigentlichen religiösen Ueberzeugung steht, alle wahre Rcligiösität in den Gemüthern verdirbt und die Religion selbst verunstaltet. Ebensowenig können wir Dr. R. darin widersprechen, daß allerdings das ganze heutige religionsgemeindliche Judenthum unter dem Banne talmudischer Formen steht, während der Talmudismus selbst doch sonst von ihm in der Hauptsache abgeworfcn ist. Gegenüber den verwerflichen Schmähungen, welche Judenfeinde ä la Rohling über die Juden und ihre Religion häufen, ebenso aber auch gegenüber den Judcnvergötterern ä la Schleiden und Elliot, hat Dr. R. einen richtigeren Weg eingeschlagen, wenn er auf Grund des bestehenden gottesdienstlichen und religionsgemeindlichen Lebens die Prüfung anstellt, wie viel wahrhaft religiösen Gehalt das Judenthmn der Gegenwart besitzt, und welche Nahrung cs seinen Bekennern anbietet, um sich an derselben zu sättigen. Hier wird endlich einmal ein Boden betreten, auf dem man nicht nach Erdichtungen den Juden zu Liebe oder ihnen zu Leide ihr Religions- Wesen beurtheilt, und hier kann sich in der That ein Jeder selbst ein gerechteres Urtheil bilden. Um volle Gerechtigkeit zu üben, hätte Dr. R. aber freilich auch einen näheren Einblick in das jüd. Gebetbuch thun lassen müssen; würde er dies gethan haben, dann würde, obgleich auch dieses Buch so manches der h. Schrift Widerstrebende enthält, und wiewohl sich gegen dasselbe sonst noch sehr gewichtige religiöse Bedenken geltend machen lassen, entschieden mehr Licht auf sein