Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 11-12 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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180 von einem früheren Offizier und angesehenen Manne in mehrere Familien eingeführt, insbesondere auch bei einem Kaufmanne, der alle seine Kinder in Kornthal erziehen läßt. Im Kaffeehause sprachen mehrere Kaufleutc über die diesjährigen Gctrcidepreise; einer derselben frug mich hierbei, ob ich vielleicht zn den aus Deutschland angckommenen Getreidekausleuten gehörte? Ich bejahte das, setzte aber hinzu, daß ich selbst einen Weizen in Ungarn verkaufte, dessen Eigenschaften ganz nierkwürdige seien: er habe eine unverwüstliche Lebenskraft, ganz ungewöhnlichen Nährwert!) und vermindere sich niemals, so viel man auch von ihm gebrauche. Ans diese Worte hin war mein Tisch sogleich von Juden umringt, und ich durfte denselben die Hoheit, die Kraft und die Süßigkeit des göttlichen Wortes bezeugen. Die Orthodoxen unter den Juden stimmten dem lebhaft zu und griffen hierauf die' Fortschrittler an. Als ich ihnen aber vorwarf, daß sie unter den edlen Weizen des göttlichen Wortes ihren unfruchtbaren Talmudsamen gemischt hätten, waren sie davon betroffen, und es folgte eine lebhafte Debatte. Mit einem Inden im Kaffeehause zu K. zusammensitzend, erzählte mir derselbe, daß sich die Inden der Stadt wegen der Besteuerung der Gänse in eine orthodoxe und fortschrittliche Gemeinde getrennt hätten! Am Abend desselben Tages stand ich vor der Synagoge; die hebräische Inschrift intcressirte mich, und da dieselbe nur aus einzelnen Buchstaben bestand, so frug ich die zum Abendgebet sich einfindenden Juden, was dieselben bedeuten sollten? Man gab mir freundliche Antwort, und die Anwesenden stellten sich mir vor. Es waren: der alte Vater des bekannten Verfassers der „Goldenen Worte der Bibel" und des Rabbiners zu F., und 3 Lehrer, von denen der eine, V. mit Namen, einen Sohn hat, der jetzt ev. Geistlicher in D. ist. Ein anderer Lehrer schloß sich an mich besonders an, ich begleitete ihn zum Gottesdienste und ging dann in der Dunkelheit mit ihm noch eine Stunde spazieren. Wir redeten davon, wie wir doch vor dem Angesichte des Heiligen gerecht bestehen möchten, und kamen überein, daß nur die Schrift darüber rechten Aufschluß gebe; mein Freund sagte mir auch, dieselbe solle entscheiden, gleichviel, ob es dem Herzen angenehm oder unangenehm wäre, denn allein die Wahrheit müsse gelten. Da durfte ich denn das Evangelium ganz