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Dibre Emeth · 1877-01-01 · 11-12 (1877) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
33 (1877)
Issue
11-12 (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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179 nur den Standpunkt der Humanität gelten lassen. Ich erklärte ihm gern, mit ihm auf diesen Boden zu treten, und zeigte ihni nun, daß es keine größere Humanität als die vom A. und N. T., „Gott über Alles und den Nächsten wie sich selbst zu lieben", ausgestellte gäbe. Dem stiminte der Maler zu, wies aber um so mehr jede Mittlerschaft zurück. Zwar erkannte er an, daß im A. T. die Mittlerschaft durch die Priester, die Opfer,. den Knecht Gottes und den Sohn Davids ausgesprochen sei, aber eben daher wies er die Anschauungen des A. T. ab. Gottes- und Menschenliebe müßten den einzigen Inhalt der Religion bilden. Ich bekannte ihm jedoch hierauf, daß ich diese völlige und wahre Liebe in meinem Herzen nicht fände, und er gestand dasselbe schließlich auch von sich selber zu. So sollte nun nach seiner Meinung die Bitte um Verzeihung hinreichen. Er war aber in großer Verlegenheit, als ich ihn frug, ob Eltern und Obrigkeiten alle Vergehungen der Ihrigen auf die Bitte um Verzeihung hin ungestraft ließen, zuutal wenn sich täglich dieselben Uebertretungen wiederholten? und mußte so auch den Ernst der Gerechtigkeit und Heiligkeit, die allein das unbedingte Recht des Bestehens haben, zugeben. Hier aber zeigte ich ihm nun, wie die heilige Schrift von einer besseren Humanität wüßte und zeugte. Sie richte ebenso unbedingt wie sittliche Menschen das Böse, aber sie eröffne uns auch den Weg der Barmherzigkeit und Gnade, da uns Gott selbst in die Gemeinschaft seines Erlösers führt, welcher uns zu der rechten Humanität bringen kann und will. „Eine solche Erklärung", lautete hieraus der Schluß, „läßt sich hören, ich selbst aber fühle mich nicht als Sünder, und deshalb bleibt es für mich beim Alten!" Das erfreute einen der Anderen, und er schrie mir zu: „Ich gebe für euren Jesus und eure Maria nicht einen Kreuzer!" Unter den zuhöreuden Juden hatte sich ein Lehrer besonders an uns angeschlossen; derselbe war unter unfern Gesprächen immer wärmer geworden, und die Luft des göttlichen Wortes athmete er gern ein. Als wir M. T. verließen, begleitete er uns noch auf den Bahnhof und sagte zum Abschiede zu mir: „Ich bitte Sie, wie Lot die Engel, wenn Sie wiederkommen, gehen Sie bei meinem Hause nicht vorüber, sondern kehren Sie bei mir ein!" In der That, dieser Sohn Abrahams ist nicht ferne vom Himmelreich, und ich bete für ihn, daß er einst den Heiland Gottes erkennen möge. Die Juden iu Sz. nahmen uns sehr freundlich auf; ich wurde 13*

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