Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1877-01-01 · 11-12 (1877) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
33 (1877)
Issue
11-12 (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554836-2554843--06872-2562871
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

116 Sieben Juden wandelten so mit uns zwei Missionaren aus der Stadt heraus. Kollege H. trieb den Hauptsprcchcr, einen Advokaten, dermaßen in die Enge, daß sich derselbe nirgends zn retten wußte; während derselben Zeit hatte ich mit einigen anderen eine kürzere Unterhaltung. Der Advokat, der mit mir zuletzt, als Kollege H. erschöpft war, noch ein zusammenhängendes Gespräch über das Seligwcrden führte, drückte mir beim Abschiede die Hand: „Ich danke Ihnen für solche Worte; selten in meinem Leben habe ich den Eindruck empfangen, daß der Glaube den ganzen Menschen begeistert; das habe ich hier an Ihnen gesehen, und ich darf es Ihnen bekennen: Sie haben mich mit erwärmt!" Allmählig hatte sich die Kunde von dem Vorgefallenen unter den Juden weiter verbreitet; als wir am nächsten Morgen sortsuhren, hörten wir manche bittere Bemerkung hinter uns fallen. M. T. war der Ort, den wir zunächst besuchten. Ein junger christlicher Kaufinann, der unseren Gesprächen mit den Juden im Kaffeehause zuhörte, unterstützte hier recht wohlmeinend, wenngleich nicht sehr klar, unser Zeugniß, und das Bekenutniß aus Laienmunde war gewiß von Nutzen. Meine Frage, was denn eigentlich Pußta bedeute, gab hernach Anlaß zu manchem weiteren Gespräche. Ich hörte, das Wort bedeute: eine Oede, Wüste u. s. w., und erwiderte: „Also ungefähr dasselbe, was in der Schrift mit Tohu va Bohu bezeichnet ist". Die Bekanntschaft mit dem Hebräischen erweckte wieder das Vertrauen der Juden. Wir redeten miteinander über die Bedeutung der hebräischen Sprache: es ist die heilige Sprache, denn der Allerheiligste hat sie für seine Offenbarungen an die sündlichen Menschen erwählt. Aber freilich Gott zu verstehen, reicht noch nicht die Keuntniß des Hebräischen hin; da muß ein höherer Meister eintreten, das ist der heilige Geist, der einst den Vätern Israels Ohr und Mund für die Zeugnisse der Wahrheit geöffnet hat. Man erkannte an, daß es eben darum recht war, wenn David und die Frommen des Volks einst vor Allem um den heiligen Geist gebetet haben, und gestand zu, daß unter dem verwirrenden Treiben der Menschen auch nur der heilige Geist im Stande sei, uns die Erkenntniß des rechten und des falschen Weges zu geben. Der rechte Weg aber ist der allein, welcher uns aus dem Fluche und dem Verderben der Sünde heraus zum Vaterherzen Gottes führt. Gott hat uns denselben gezeigt; Mose, David und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.