Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 11-12 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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H4 gehren verbietet! Hier aber schieden sich unsere Wege; F. räumte ein, daß unsere Auffassung von der Sünde zu einem Erlöser, wie wir ihn in Christo besitzen, führen könne; er selbst bedurfte eines solchen Heilandes noch nicht. Aber überaus freundlich entließ uns der alte Herr; um uns bei sich zu behalten, hatte er den Religionsunterricht in der Schule ausfallen lassen. Ich stand hernach vor dem Gasthause, den Wagen erwartend, der uns zur Eisenbahn führen sollte, benützte aber die wenigen Minuten noch zu einer Unterhaltung mit zwei Juden. Der eine derselben sah mich eine Zeit lang forschend an, dann sagte er zu mir, daß er mich schon einmal gesehen haben müsse. Ich erwiderte ihm, daß ich auch vor fünf Jahren in G. K. gewesen sei. „Ja", antwortete hierauf derselbe, „damals bin ich das erste Mal in meinem Leben in einer christlichen Kirche gewesen, denn ich habe Sie predigen hören wollen." In der That hatte ich in der dortigen evangel. Kirche am zweiten Pfingsttage über das Evangelium gepredigt. Der Mann zog mich hierauf ein wenig zur Seite und sagte mit gedämpfterer Stimme: „Sehen Sie, Sie haben damals in Ihrer Predigt Moses und Christns mit einander verglichen und haben uns zeigen wollen, wie Moses größer als alle anderen Menschen, Christus aber bei Weitem größer als Moses sei. Das ist mir nun stets wieder durch den Sinn gegangen und beschäftigt mich noch heute." Mit kurzen Worten erklärte ich meinem Freunde, warum Christus auch für ihn der Allergrößte sei, und führte dies mit lauter Sprüchen des A. T. aus. Mit großer Aufmerksamkeit hörte derselbe dem Allen zu; da fuhr der Wagen vor; ich mußte scheiden, aber Jenem zugleich versprechen, wenn ich wieder einmal käme, mit ihm diese Sache noch einmal recht genau zu erwägen. Die Stadt F. sollte uns neue willkommene Gelegenheit, das Evangelium zu predigen, bieten. Wir gingen in die moderne Synagoge, in der, außer etwa 20 orthodoxen Familien, die zahlreichen Juden der Stadt ihre Gottesdienste begehen. Ein freundlicher Mann bat mich, in seine Bank miteinzutreten, und wurde doppelt freundlich, als ich mit ihm die hebräischen Gebete las; kaum 50 Juden des Ortes, behauptete er, würden dieselben auch übersetzen können — und trotzdem beten sie diese! Nun fiel die Orgel ein, und siehe, sie spielte einen evangelischen Choral! Der Oberrabbiner predigte hierauf; seine Worte waren wohlgesetzt und