Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 11-12 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Wissen und verlegte in dasselbe den eigentlichen Schwerpunkt auf religiösem Gebiete. Ich machte ihn darauf aufmerksam, daß Gott nicht sage: Gieb mir, mein Sohn, deinen Kopf, sondern „dein Herz". Auch zeigte ich ihm aus Jesaia, wie der ausgebildeteste Lippcndienst und die pünktlichste Beobachtung aller religiösen Satzungen mit sittlicher Verworfenheit Hand in Hand gehen können. Wie sehr es auf den Zustand des Herzens ankomme, das habe David recht gefühlt; er habe aber beirn Blick in sein Inneres ganz an sich selber verzagt und keinen anderen Ausweg gewußt, als daß er Gott geradeswegs anrief, ihm ein neues Herz zu schaffen. Am Beispiele Davids wurde daun den still zuhörenden Juden die rechte Frömmigkeit beschrieben. Die Furcht Davids müsse zuerst in unseren Herzen erwachen, nur ja nicht vor dem Angesichte Gottes verworfen zu werden, und das Verlangen, die Gerechtigkeit zu erlangen, die allein vor ihm, dem Heiligen, tauge. Dieses Sehnen aber werde auch gestillt werden; denn Gott selbst habe es verheißen, daß er uns seine eigene Gerechtigkeit schenken, und daß er so aus uns neue Menschen nach seinem Bilde schaffen wolle. Er hat durch seinen Propheten Jeremias verkündigen lassen, daß er uns einen Sohn Davids senden wolle, dessen Name sein würde: „Jehovah, unsere Gerechtigkeit", und durch diesen wolle er vollbringen, waö er uns zugesagt habe. Aus unserem Orden und Geschlechte werde derselbe mithin kommen und doch uns bringen, was uns Niemand sonst gebracht hat, die eigene Heiligkeit Gottes selbst, in welcher wir vor ihm wahrhaft gerecht erfunden werden können; Gott selbst will uns die Gerechtigkeit, die allein vor ihm taugt, als Geschenk darbieten, und von uns wird nur gefordert, die Gabe Gottes im Glauben anzunehmen; diese Gabe Gottes aber ist auch bereits für alle Welt da, denn in Christo wird sie der gesammten Menschheit angeboten. Dies mein Zeugniß; zunächst widersprach Niemand, und so ging ich denn hinweg, damit die Herzen über das Gehörte selbst Nachdenken möchten. Wir besuchten hierauf den greisen Rabbiner F. In freundlichster Weise nahm der würdige, alte Herr, einer der frühesten Resormkämpfer in Ungarn, uns auf. Unsere Unterhaltung führte aus die Bedeutung, welche die Apostel dem Gesetze zuschrieben. F. hatte die Stellung derselben in dieser Beziehung nicht verstanden; so zeigte ich ihm denn, daß im Reiche Christi die völlige Freiheit