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Dibre Emeth · 1877-01-01 · 11-12 (1877) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
33 (1877)
Issue
11-12 (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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171 Ladenbesitzer, dessen Tochter, um einen Christen zu heirathen, getauft wordeu ist, und ein anderer alter Jude, mit denen wir im Tabakslokal des Ersteren sprachen. Das irdische Dasein befriedigte alle diese, und es war ihnen genug, Juden zu heißen, sie glaubten auf diese Weise schon völlig hinreichende Religiösität zu besitzen. Mit Juden dieser Art, wie überhaupt im Allgemeinen, lenke ich durchaus nicht vorwiegend das Gespräch auf den Messias. Man hat unter unfern Juden ein zu falsches Bild von demselben; er soll vor Allem irdisches Wohlsein schaffen, und weil man das heute auch auf andere Weise erreicht, erbleicht immer mehr sein Bild vor den Herzen. Aber selbst auch, wenn man einen leidenden Messias, den Sohn Josephs kennt, versteht man doch die innere Nothwendigkcit seiner Leiden nicht. Nein, es gilt für Christen wie für Juden in ganz gleicher Weise: man muß einen gekreuzigten Heiland gebrauchen oder gebrauchen lernen, um ihn zu verstehen. Der eigentliche Schade liegt stets in deni Mangel an rechter Sündenerkenntniß, an rechter Buße und Reue. Ein irgend ernsteres Gefühl für die schwere Bedeutung der Sünde habe ich aber auf dieser vierwöchentlichen Missionsreise ganz überaus selten gefunden, und eben deshalb mein ganzes Augenmerk darauf gerichtet, hier die Arbeit im Fundament zu thun. Was nützt es auch, wenn der Verstand überwunden wird, Jesum als den Messias anzuerkennen, und derselbe doch nicht als der Arzt der Kranken ausgenommen worden ist. So viele unserer Proselyten haben hernach Schiffbrnch gelitten, obwohl sie verstandesmäßig mit voller Ueberzeugung Jesum als den Messias anerkannten. Sie hatten ihm ihren Kopf geopfert, sie hatten ihm auch ihr Bekenntniß dargebracht, aber ihren alten Adam hatten sie ihm nicht übergeben, daß derselbe unter täglicher Reue und Buße in seinem Tode stürbe — und das Letzte wurde darüber oft ärger, als das Erste. Dies der Grund der großen Vorsicht, die ich in meinen Gesprächen hinsichtlich des Messias beobachte. G. K. bot besonders reichliche Gelegenheit für unser Zcugniß. Als die Anwesenden das eine Mal nichts zu erwidern wußten, riefen sie einen ihrer Gelehrten herzu, damit derselbe mir besser Antwort stünde. Der Mann dachte wenigstens hoch von der Religion, er achtete die moderne Bildung ihr gegenüber für gering, und so hatten wir einen gemeinsamen Boden unter den Füßen. Aber er betonte nun nach jüdischer Weise ganz außerordentlich das religiöse

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