Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 11-12 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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m stimmte dem zu, und ein Jude tadelte es noch besonders, daß am Bersöhnungstage mehrfach der Opferung Isaaks gedacht würde, denn hierdurch werde der Eindruck abgeschwächt, den diese Thatsache an sich Hervorbringen müsse. Ich wies darauf hin, daß gerade dieses Hervorheben des genannten Opfers beweise, wie in demselben der tiefste Gedanke an unsere Versöhnung zum Ausdruck gekommen sei, und dies wohl der Grund sei, warum man immer wieder zu diesem Opfer zurückkehre. Das Jsaaksopfer ist aber freilich nicht vollendet worden; deshalb fordert es auch seine Erfüllung, und dieselbe ist geschehen; Jesaia 53 beschreibt sie. Der Mann, dem ich das sagte, hörte still zu, er ließ sich auch ruhig das Opfer am Kreuze schildern und bekannte, daß dasselbe doch seinen guten Sinn zu haben scheine. Aber er selbst, so fügte er hinzu, müsse schon beim Alten bleiben; denn ein Jeder verharre einmal am Liebsten bei der Religion, in welcher er geboren und erzogen sei. Zum Beweise des Gegentheils wies ich ihn auf Abraham und auf das Geschlecht der babylonischen Gefangenschaft hin; beide Male sind dort die Väter Götzendiener, und beide Male preist es noch heute Israel, daß die Nachkommen die Religion der Väter verlassen haben. Hierauf erwiderte mein Freund nichts; viel häusliches Kreuz (seine Frau war 3 Jahre hindurch geisteskrank) hat ihn aber zum freundlicheren Aufmerken auf das Wort gebracht. In G. K. besuchte Kollege H. den alten würdigen Rabbiner F. und führte auch mich hernach bei demselben ein. Die Gemeinde hat sich unter der Leitung desselben zu einer der fortgeschrittensten Ungarns herangebildet, unter 400 jüdischen Familien giebt es nur 2—3 orthodoxe, und auch nur eben so viele Läden etwa sind ain Sabbath geschlossen. Ein alter Jude erklärte mir: er glaube an keine Prophetie und an keine Propheten, am Wenigsten an einen persönlichen Messias, nicht einmal die sog. 13 Glaubensartikel des Judenthums könne er sesthalten, Jude aber sei er trotzdem. Bekenntnisse dieser Art hört man unter den deutschen Juden häufiger; für diese ist die Selbstbewunderung und Sclbstverherrlichung als Juden jetzt, um mit Paulus zu sprechen, statt des Gesetzes, der Kerker, in welchem sie zusammengeschlossen und bis auf die Zeit aufbewahrt werden, wo sie, in sich selbst zerbrochen, Buße thun und nach der Hülfe des ewigen Erlösers schreien werden. Ebenso freisinnig, wie der vorher Genannte, zeigte sich ein