Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 11-12 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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168 wies nun natürlich darauf hin, daß der Friedefürst allein denen seinen Frieden bringen könne, die ihn selbst im Glauben aufnehmen, so gut wie das Gesetz nur denen das Leben zugesagt habe, die dasselbe halten würden; der Segen werde weder im A. noch im N. T. bedingungslos gewährt: dem Gehorsamen allein falle er zu, keinem Anderen. Am Nachmittage waren wir bald im Kasfeehause von Juden umdrängt. Ich hatte an den Vormittagsgottesdienst angeknüpft. Man hatte um die Wiederherstellung des Tempels in Jerusalem gebetet, damit an dieser Stätte wieder die Opfer dargebracht werden könnten. Deshalb frug ich nun die Anwesenden, ob sie wohl wirklich Lust hätten, nach Palästina zurückzukehren? Ein allgemeines „Nein" erscholl gleichmäßig aus dem Munde der Reformer, wie der Orthodoxen. Ich frug weiter, ob in O. wenigstens die anderen Juden nach Kanaan zurückverlangten? „Keine 5", erklärte der Eine, die Andern stimmten dem zu. „Aber warum betet ihr alsdann derartige Gebete? soll man dem heiligen und allwissenden Gott in's Angesicht lügen? und ist das ein Gottesdienst, der dem Herrn gefällt, wo das Herz das Gegentheil von dem meint, was die Lippen reden?" Man lächelte. Ich wies meine Zuhörer darauf hin, wie krank doch ihr Glaube, ihre Religion und ihr Gottesdienst sein müssen, wenn so denselben vor Allem die Wahrheit fehlt! Dennoch ereiferte man sich für den Vorzug des Judenthums vor allen anderen Religionen. Ein etwas gebildeterer Mann aber suchte den Spieß umzukehren. Er habe, sagte er, das Neue Testament gelesen und habe aus demselben erkannt, daß eigentlich das Christenthum nur eine politische Schöpfung des- Paulus sei, welcher eine allgemeine Religion, die auch für die Heiden annehmbar wäre, schaffen wollte; Christus und die alten Apostel dagegen hätten das alte Judenthum erhalten wollen. Diese Erklärung fand vielfachen Beifall unter den Versammelten; ein äußerlich ehrwürdig aussehender Jude unterstützte den Redner mit unaussprechlich gemeinen Redensarten; leider mußten wir solche überhaupt häufiger unter den ungarischen Juden hören. Selbstverständlich wich ich nicht, sondern zeigte meinen Zuhörern, daß Christus, seine Apostel und Paulus nur eine und dieselbe Hauptsache gekannt hätten: den Glauben an den für uns verlorene Sünder gestorbenen und auferstandenen Gottessohn, während sie in Sitten und Gebräuchen, in politischen und nativ-