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Dibre Emeth · 1877-01-01 · 11-12 (1877) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
33 (1877)
Issue
11-12 (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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165 kämpfen haben; die erregte Art, welche ihr ganzes Thun und Lassen in Deutschland so oft kennzeichnet, tritt uns im eigentlichen magyarischen Ungarn wenigstens viel seltener entgegen. Auch in diesen Gegenden betreiben sie übrigens vorwiegend den Handel und bilden gewissermassen das Mittelglied, durch welches die Produkte des Landes in Bewegung gesetzt werden. Man findet sie eben deshalb auch aller Orten und wird derselben sofort gewahr. Vom Ackerbau oder den Gewerben eben der Regel nach durchaus nicht in Anspruch genommen, sondern durch den selbsterwählten Beruf gewissermaßen ans den Markt gerufen, begegnet ihnen der Reisende auf Schritt und Tritt. Für den Missionar aber bietet dies einen ungemeinen Vortheil: er darf sie nicht erst aufsuchen, sondern ist stets von ihnen umringt; gerade, wo er einzukehren genöthigt ist, in den Gasthäusern und Kaffeehäusern, ist er sicher, sie den ganzen Tag über zu finden; denn eben jene Orte sind für sie die Mittelpunkte ihrer geschäftlichen Thätigkeit. Oftmals ist der Missionar in jenen Lokalen sogar der einzige Christ, alle um ihn sonst sind Juden. Der Verkehr mit denselben aber ist überaus leicht angeknüpft, beide Theile kommen sich, wenn auch aus verschiedenen Interessen, auf halbem Wege entgegen; die Einen aus Neugierde, wer der Fremdling in ihrer Mitte sei, die Anderen, weil ihr Auftrag sie zu denselben sendet. Der Verkehr mit den ungarischen Juden, wenigstens im ganzen Westen, ist aber auch ein durchaus angenehmer. Ihr gesammtes Benehmen ist ein artiges und unendlich viel bescheideneres, als zumeist in Deuffchland. Gewiß sind auch sie überzeugt, die Vertreter der ächten Religion unter allen Religionen der Welt zu sein, aber sie kennen doch sonst gewöhnlich viel mehr ihre Grenzen, als die deutschen Juden. Bei Weitem nicht so gebildet wie die letzteren und einfacher in ihren Lebensanschauungen, treten sie nicht mit jener Anmaßlichkeit auf, die uns so oft an den Juden Deutschlands betrübt und beleidigt. Hier herrscht nicht jenes hvffährtige Allesbesserwissenwvllen, nicht jene Selbstüberhebung, die alles Andere weit unter sich sieht, sondern man will hier noch vergleichen und lernen, man hört noch auf die Stimmen aus dem fremden Lager, und läßt dieselben als gewichtige gelten; kurz, man ist hier weder fertig, noch sonnt man sich in dem eigenen Lichte, als wäre dasselbe der wahrhaft Helle Schein für die übrige Welt.

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