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Dibre Emeth · 1877-01-01 · 11-12 (1877) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
33 (1877)
Issue
11-12 (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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163 und hier oder da auch eine Ruine, im Hintergründe aber ernst und feierlich die Karpathen, die Häupter der Bp'ge mit Schnee bedeckt. Jenseits Silein trat der Nadelwald ein, das Gebirge wurde niedriger, bei Jablunka nahmen wir von ihm Abschied, und nun eilten wir durch die Ebene zur Heimath hin. Dies das Land, und nun die Leute. Die Magyaren fesseln ganz von selbst das Interesse des Reisenden; sind sie doch ein so schöner Volksstamm, wie nicht leicht ein anderer gefunden wird. Ich sah an einem Sonntage in Keczkemet die katholische Pfarrkirche dicht gedrängt von diesen magyarischen Bauern besucht. Da saßen lange Reihen jener Männer, Gestalten wie aus den Tagen der Türkenkämpfe; welch' ausdrucksvolle, männliche Gesichter, welch' edler Bau der Körper, welche kriegerischen Augen, welche Feinheit und welcher Stolz in den Bewegungen; man kann es wohl verstehn, daß der Ungar sich selbst nur „magyarischer Mann" in seiner Sprache nennt! Und neben den Magyaren das bunte Gewimmel so vieler anderer Volksstämme. Ueberall natürlich die Deutschen, aber auch hier von der Thorheit ergriffen, das Deutschthum abzustreifen, um sich möglichst schnell zu magyarisiren — nur der deutsche Bauer, der Schwabe, welcher ans den Märkten sogleich auffällt, scheint die deutsche Eigenart zäher zu behaupten. Daneben aber die Serben und Walachen, die Ersteren zumal jetzt politisch verdächtig, wo sie ihre Sympathie für die Russen nicht verhehlen; und außer ihnen das demüthige Geschlecht der Slovaken, in ihrer ganzen Erscheinung und leiblichen wie geistigen Art so recht das Gegenstück zum lebhaften, energischen und stolzen Magyaren; denn bei aller natürlichen Körperkraft und Abhärtung tragen sie gar zu deutlich das Gepräge unterwürfiger und stillgutmüthiger Leute. Unaussprechlich einfach und genügsam, der heimathlichen Scholle innig zugethan, können sie die ganze Welt durchwandern, um dann doch als dieselben am heimathlichen Orte, wo indeß die Frau den Acker bestellt und die Wirthschaft besorgt hat, wieder zu erscheinen, und in den geliebten Bergen von dem in der Fremde gewonnenen Gute ein bescheidenes, zufriedenes Dasein zu führen. Unruhig hin und her zwischen allen diesen Bewohnern Ungarns ziehn die zerstreuten Häuflein der Zigeuner; man begegnet ihnen aller Orten; in jenem Lande streift man aber etwas das Grausen ab, das ihr Anblick bei uns so leicht erweckt; und wenn 11*

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