Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 9-10 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Klaffen der dortigen Juden so leidenschaftlich Karten, daß ihnen dies die Lust an ernsterem Nachdenken nimmt; gegen dies Laster haben die sonst so fanatischen Rabbiner nichts einzuwenden. — Dennoch hat man wenigstens das Alte Test, weithin unter den Juden verbreiten können, und mit Recht hoffen davon die Missionare etwas für die Zukunft. An Schulen zeigen die Marokkaner Juden noch wenig Gefallen, Mädchenschulen sind ihnen ein Gräuel. Dagegen haben sich die Missionare durch ärztliche Bemühungen auch hier die Thür zn vielen Herzen zu öffnen verstanden; die bisher geernteten Früchte sind besonders auf diesem Felde gewachsen. Und fruchtlos ist die Arbeit keineswegs gewesen. So haben sich 29 Juden und Jüdinnen zum Unterricht gemeldet, 3 derselben konnten auch getauft werden. Unter den letzteren befand sich eine Jüdin, welche eine europäische Erziehung genossen hatte und die Wittwe eines englischen Juden war. Nach längerer Bekanntschaft mit dem Miss. Darmon schrieb sie demselben: „Ich habe die verschiedenen Sprüche in der Bibel, aus welche Sie hingewiesen haben, geprüft, aber dieselben können meinen Sinn nicht verändern, so daß ich über meinen Vater in seinem Alter Schande bringen möchte. Ich glaube, was ich von Kindheit an gelernt habe, und daß wir das auserwählte Volk Gottes sind. Sie glauben den Rabbinen nicht, aber es ist besser, Ihren Geistlichen nicht zu glauben. Ich bin von Herzen Jüdin, und dies gerade durch das Buch, durch welches Sie mich zu bekehren versuchen; und wollen Sie ein Jahrhundert lang alle Ihre Beweise aufbieten, so werde ich rncht anders als an das Alte Testament glauben." Sie wußte es freilich nicht, daß Jesus im Alten Testamente zu finden ist, und daß Er in der Schrift zu suchen forderte, weil sie von Ihm zeugt. Zuletzt aber suchte und fand sie nun doch daselbst das Ziel und den Zweck des Lebens, und daß Jesus der Weg des ewigen Lebens ist. Einmal überzeugt, schwanden auch Zaudern, Furcht, Vornrtheile und Ueberlieferungen; und durch das Wirken des heiligen Geistes hatte sie den Math, ihren Glauben öffentlich zu bekennen, sie wurde feierlich durch die Taufe in die Kirche Christi ausgenommen. Verbunden mit den besten Familien, da ihr Vater ein wohlhabender Kaufmann und Gutsbesitzer in jenem Lande ist, erregte das Bekanntwerden ihrer Bekehrung viel Aufsehn. In ihres Vaters Abwesenheit besuchten sie mehrere hervorragende Mitglieder der Gemeinde und boten die allerstärksten Versuchungsmittel auf, um sie dazu zu vermögen, ihren Ueberzeugungen zu entsagen; ihre Antworten waren ruhig und würdig, und wie die alten Christen, so legte sie alle Ansprüche an das väterliche Eigenthum und die Liebe ihrer Verwandten zu den Füßen des Kreuzes nieder; denn durch ihren Uebertritt verwirkte sie Alles. Die Erfahrungen in Tunis sind ähnlicher Art; aber auch dort geht manches Samenkorn mitten in steinigem Boden auf.