Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 9-10 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 1× ep/1047833
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157 Veränderung in den Anschauungen zu bemerken; letzteres verliert offenbar den Glauben an den Talmud und die Rabbiner und will Licht und Kenntnisse erlangen. Etwa 30 tüchtige junge Leute ließen sich in den letzten Jahren häufig bei den Missionaren sehen und sprachen ihren Wunsch aus, von ihnen unterrichtet, geleitet und unterstützt zu werden; sie können aber in Jerusalem nicht bleiben, und so entstehn nun die größten Schwierigkeiten. Ein junger Rabbi z. B., Mitherausgeber eines hebräischen Blattes, hatte von dem Baume der Erkenntniß gekostet und sah es nun für seine Pflicht an, durch seine hebräische Zeitung auch seinen Brüdern hiervon Mittheilungen zu machen. Sogleich schlugen die Rabbiner Lärm. „Woher konnte der Gedanke stammen, jüdische Gemüther durch neugebackene Vorstellungen über Naturgeschichte, Philosophie u. s. w. zu beunruhigen, und woher der Herausgeber seine Kenntnisse haben, als durch die Missionare?" Der junge Mann wurde daher vor die Rabbiner berufen und einer scharfen Prüfung unterzogen. Er bekannte kühn, daß er sein ganzes Wissen aus christlichen Quellen habe. Da die Rabbiner zu unwissend waren, um ihn zu unterrichten, so bedrohten sie ihn mit der Exkommunikation, falls er bei seinem Verkehr mit den Missionaren verharren würde. „Thut so," antwortete er, „ich fürchte mich nicht; ich werde euch in der Zeitung an den Pranger stellen." Sie konnten ihn also nur damit strafen, daß sie ihm die Chaluka (den Antheil an den allgemeinen Jerusalemer Almosen) entzogen. Unverzagt machte er sich selbst einen Kasten, füllte ihn mit Schreibmaterialien und anderen billigen Artikeln; und da er nun hausiren geht, so stellt er oft seinen Kasten eine Stunde vor dem Hause eines Missionars nieder, um weiteres Licht und neue Kenntniß zu erlangen. Zwei andere junge Leute sind nach Beirut gegangen, um dort Zulassung in die höhere Schule zu erlangen. Seit einigen Jahren zum ersten Male ist aber auch wieder ein Jude in Jerusalem getauft worden. Doch so dringen nun eben schon bis nach Jerusalem die neuen Ideen und Helsen das talmudische Judenthum stürzen. In der That, die letzte Stunde desselben kommt schnell herbei. Am Ehesten uoch behauptet der Talmudismus in Nord- Afrika eine größere Macht, wenngleich selbst hier die Pforten sich öffnen, durch welche die neue Kultur ihren Einzug hält, die alsdaun tödtlich auf das rabbinische Wesen wirkt. Ganz besonders zeigt sich dies in Algier. Marokko, weil mehr außerhalb der allgemeinen Kulturbewegung geblieben, zeigt auch noch deutlicher die alten Verhältnisse. Die Mission wird daselbst von den Rabbinern sehr gefürchtet; von Neuem ergingen gegen sie aus den Synagogen Bannflüche. In Folge dessen wagten es nur wenige Juden der Stadt, die Missionsgehäude zu betreten und daselbst religiöse Unterhaltung zu suchen, und man hatte dort Schwierigkeit, selbst gegen Bezahlung Juden als Diener zu erlangen. Außerdem spielen alle