Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 9-10 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Knabe den Gesprächen über das Christenthum zu und wünschte darnach einige Traktate zu kaufen. Er fand, daß er den geforderten Betrag nicht habe. Als er in Folge dessen bei seinen Freunden leihen wollte, antworteten sie ihm alle: „Nein dafür, damit du dir solche Bücher anschaffen kannst, borgen wir dir nichts!" Da ging der junge Mensch nach einer entfernteren Gegend und brachte später das Geld. Ganz besonders begrüßten es die Missionare mit Freuden, daß auch Jüdinnen, und oft mit ihren Kleinen im Arme, dem öffentlichen Gottesdienste in ihrer Kapelle beiwohnten. Sie hatten aber freilich auch Fälle zu verzeichnen, wo der Fanatismus jeden Versuch, diesem Gottesdienst beizuwohnen, vereitelte. So wurde ein junger Mann allein wegen des Besuchs dieser Gottesdienste zu wiederholten Malen aus dem elterlichen Hause vertrieben; ein anderer Jude, welcher bei einem jüdischen Kaufmanne im Geschäfte stand, wurde eben deswegen entlassen, und ein dritter aus der gleichen Ursache von seinem eigenen Schwager aus seiner Stellung gebracht. 39 meldeten sich in Konstantinopel zum Unterricht, 4 derselben wurden getauft. In Türkisch-Asien ist Smyrna ein schon längere Zeit hindurch behaupteter Posten. Von hier aus pflegen weitere Missionsreisen gemacht zu werden; gegenwärtig jedoch ist dies wegen der Unsicherheit des Landes nur in sehr geringem Umfange möglich. Eine dieser jüngst unternommenen Reisen nach Aidin erschien dem Miss. Eppstein besonders unftuchtbar. Einige Zeit nach derselben aber erschien bei ihm ein junger Jude und redete ihn an: „Sie müssen uns, mein Herr, für recht bigot und roh gehalten haben, aber wir konnten uns nicht anders helfen, denn wir standen unter einem Einflüsse, dem wir uns nicht zu entziehen vermochten. Aber seien Sie versichert, hernach erwachte unter unfern jungen Leuten hierüber großer Unwille, und mehrere wollten nun durchaus wissen, warum denn unsere Rabbiner und Aeltesten Sie selbst und Ihre Bücher so fürchten, und so kauften wir denn nach Ihrer Abreise zwei Neue Testamente und andere Bücher. Jetzt aber wünschen wir mehr von der Wahrheit zu wissen und hoffen Sie bald willkommen zu heißen und so die Gelegenheit zu haben, unfern Charakter bei Ihnen durch eine herzliche Aufnahme in ein besseres Licht zustellen."