Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 9-10 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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153 Auf den Reisen begegneten die Missionare vielem Widerspruch, die Folge von Unwissenheit und Fanatismus. So drangen die Juden einmal in das Kaffeehaus, in das die Missionare getreten waren, um mit den Leuten zu sprechen, und streckten sich der Länge nach auf den Bänken aus, damit Andere weiter keinen Platz fänden. Selbst Jüdinnen standen an den Fenstern, riefen Verwünschungen auf die Häupter „der Protestanten" herab und bissen sich zum Zeichen ihrer Verachtung gegen dieselben in die Finger. Und doch selbst an diesem Orte gefiel es dem Herrn, einem Manne das Herz aufzuthun, so daß er frug: Was wird aus meiner Seele werden, wenn, ich sterbe, da wir ja doch kein Opfer für unsere Sünden haben? An einem andern Orte hörten viele Juden die Wahrheit und kauften Bibeln, Testamente und Traktate. Eines Tages kam ein Mann und erbat sich das Geld, das er für Bücher bezahlt hatte, zurück, „weil dieselben schlecht seien", und drohte im Fall der Abweisung die Polizei zu Hilfe zu rufen. Das lärmende Auftreten dieses Juden versammelte einen Haufen Anderer; da trat einer aus ihrer Mitte, ein Träger, hervor und.bezahlte nicht allein jenem Manne seine Bücher, sondern kaufte auch noch andere. Einige junge Leute hingegen besuchten die Missionare und sagten ihnen, sie seien überzeugt, Jesus sei ein guter Mann gewesen, aber weder er noch Mose hätten einen göttlichen Auftrag gehabt. Von ihnen erfuhren die Evangelisten, daß sich auch dort die Juden in Orthodoxe, Ungläubige und Chasidim spalten. Letztere luden die Fremden eines Tages zu einer ihrer Versammlungen ein. Einige junge Leute erbaten sich da zuerst ihren Segen; als die Mssionare ihnen aber Christum zu predigen begannen, erhoben Männer und Weiber ein großes Geschrei und trieben sie hinaus. — Am nächsten Orte singen die Juden, als sie die Traktate sahen: „Sind das die kleinen Talmude, die im vorigen Jahre so viel Ausruhr verursachten?" In dieser Stadt wurden die Missionare von Banquiers und Kaufleuten in ihre Läden eingeladen, um dort ihre Worte zu hören. Sie durften hier zahlreichen Zuhörern Christum predigen, und unter diesen befanden sich nicht wenige Frauen. An demselben Orte aber hatten auch viele mit dem Glauben an den Rabbinismus jeden andern Glauben verloren. Bei der Vertheilung ihrer Schriften durften die Missionare manche liebliche Erfahrung machen. So hörte eines Tages ein