Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 9-10 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554836-2554842--06846-2562844- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
181 Pastor Faltin zugleich in der Mssion thätig ist, baten nicht weniger als 101 Juden um christliche Unterweisung, von denen dann 4 in der Stadt selbst, 6 an andern Orten getauft wurden. Die Hauptschwierigkeit ist nur nach wie vor, für die Bekehrten eine passende Beschäftigung zu finden. Dennoch sind in diesem Punkte wieder Fortschritte zu verzeichnen. Die früher bereits eingerichtete Werkstatt ist erweitert, und eine Anzahl von Proselyten erlernt in derselben verschiedene Handwerke. Einer der Bekehrten studirt jetzt in Berlin Theologie, wozu ihm die Mittel von der Gesellschaft zur Unterstützung armer Proselyten in Stockholm gewährt werden; 2 andere bereiten sich für die Mission vor. Besondere Erwähnung verdient einer der diesmal Getauften. Derselbe hatte eine gute Erziehung empfangen und befand sich in verhältnißmäßig günstigen Umständen. Er fühlte aber in sich ein Fehlen des Friedens, der durch Erdengüter nicht erlangt werden kann, und der Mangel an einem rechten und wahren Glauben machte ihm viele Unruhe. Da er Deutsch verstand, besuchte er die Kirche des ihm sonst unbekannten Pastor Faltin. Eines Sonntags hörte er diesen über die Worte predigen: „Ich habe mir noch 7000 in Israel behalten, die alle die Kniee vor Baal nicht gebeugt haben, und jeden Mund, der ihn nicht geküsset hat". In der Predigt wurde ihm das Kommen des HErrn vorgestellt und dargethan, wie die sanfte Stimme des Friedefürsten dem Erdbeben und Feuer folgt. Diese Predigt ward seiner Seele zum Segen, und er durfte erkennen, daß die Stützen, auf die er seine Ruhe gestützt, abgethan werden müßten. Seines traurigen Zustandes sich klar bewußt, kam er zum Missionar, von dem er Unterricht und Trost durch das Wort Gottes und zuletzt die Taufe empfing; seines Herzens Wunsch ist nunmehr, daß ihm auch Frau und Kinder auf seinem Wege folgen mögen. Ein wichtiges Missionsgebiet ist ferner Rumänien. Der rabbinische Einfluß nimmt auch dort offenbar ab, und dafür wächst die religiöse Gleichgültigkeit, die sich besonders in dem Verfall so mancher Gemeinden und ihrer Institutionen zeigt. Andrerseits aber wächst auch die Zahl derer, welche das Evangelium gern hören. Ebenso ist ein Theil von Siebenbürgen durch die Missionare Rumäniens besucht worden, und das hat die dortigen Juden so erregt, als hätten sie einen plötzlichen Schlag empfangen; die