Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 9-10 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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150 allerdings mit dem Besuche dieser Restauration keinen Mißgriff gethan, denn der Besitzer derselben ist seit langer Zeit Euren Meinugen mehr zugethan, als denen der Rabbiner, und redet mit uns, als gehörte er zu euch." Hierbei rief er den Wirth herzu. Darauf erschien ein schwacher, alter Mann, der kaum noch gehn konnte. „Hier ist ein Herr, der sich in Euer Geschäft mischt, er ist ein englischer Missionar." „Wirklich", sagte der alte Mann ruhig, und an den Missionar herantretend, ergriff er die Hand desselben und begrüßte ihn hebräisch: „Friede sei mit Dir!" „Gehören Sie zu Pastor M' Caul's Mission?" „Der war mein großer Freund, und ich glaube nun völlig, daß, was er sagte, die Wahrheit war, und daß, was er uns vorgehalten, kommen wird. Alle in meiner Umgebung nennen mich verrückt, selbst mein eigener Sohn; aber laß sie sagen, was sie wollen; Pastor M' Caul's Lehre war die Wahrheit, und ich will in der Ueberzeugung sterben, daß der Messias, von dem er zu mir geredet, der Verheißene Israels ist." „Ich bin voll Danks und bin glücklich, zu hören, daß Sie den trefflichen Mann kannten", sagte der Missionar. „Ja wohl, mein Herr, ich kannte ihn so wie mich selbst, denn er pflegte einige Jahre lang zweimal in der Woche bei mir zu frühstücken und brachte dann jedesmal einige Stunden hier zu. Er suchte freilich nicht das Frühstück, sondern er wollte den Juden sagen, wie sie könnten selig werden, und er wurde für so Manchen das Mittel, ihn zu erretten; ich bin kein getaufter, aber ein gläubiger Jude, ein Schüler Pastor M' Caul's." Der Alte wurde hier abgerufen, seine Hinfälligkeit und Schwäche trat nach den soeben mit tiefer Bewegung gesprochenen Worten doppelt zu Tage, und der Missionar glaubt, daß sein Ende rasch herbeieilt; möchte er zur vollen Entscheidung hindurchdringen! Rußland ist jedesfalls das wichtigste Arbeitsgebiet für die heutige Judenmission. Nicht blos übertrifft es durch die Zahl seiner Juden, über 2,700,OM, alle ander» Länder, sondern es birgt ganz entschieden auch den Theil der Judenschaft in sich, welcher für religiöse Dinge noch am meisten zugänglich ist. Dem Missionar wird es dort fast überall leicht, mit den Juden in Verbindung zu treten, und diese letzteren selbst richten häufiger als anderswo an ihn eine Frage. In Kischiness, wo der bewährte